Filminfo: I love you, Beth Cooper  
 

Start: 29. Oktober 2009

Denis Cooverman (Paul Rust) gilt in der Highschool als uncooler Klassenprimus. Und ausgerechnet dieses blasse Bürschlein sorgt bei seiner Rede während der Abschlussfeier für einen Knaller, als er dem heißesten Cheerleader-Girl der Schule verkündet: „Ich liebe Dich Beth Cooper.“ Der für alle Beteiligten unerwartete Effekt: Beth Cooper (Hayden Panettiere) taucht auf Denis’ Abschlussparty auf und es wird die beste Nacht des Lebens – nicht nur für Denis…

Denis Cooverman (PAUL RUST), Klassenprimus und Abschlussredner seines Jahrgangs auf der Buffalo Grove High School, kann eine beeindruckende Schulkarriere vorweisen…jedenfalls auf dem Papier. Als Musterschüler, gewissenhafter junger Mann und offensichtlicher Trottel, der er ist, wusste Denis den Ball stets flach zu halten. Er hat tatsächlich bis zum Abschlusstag keine einzige der wahren Freuden der hohen Schule je kennengelernt: Umgehung der Sperrstunde, Zerstörung von Eigentum, exzessiver Alkoholgenuss, Faustkämpfe, durchfeierte Nächte, flotte Autos oder noch flottere Frauen (eigentlich gab es da überhaupt keine Frauen). Doch das alles soll sich nun endlich ändern, durch fünf einfache Worte: „I LOVE YOU, BETH COOPER.“

Denn es stellt sich heraus, dass Denis sechs lange Jahre ein Geheimnis mit sich herumgetragen hat: Ein klassischer Fall von l’amour fou – die große Liebe zu Beth (HAYDEN PANETTIERE), dem beliebtesten Mädchen der ganzen Schule. Wie oft hat sie in diversen Kursen direkt vor ihm gesessen? (Danke Gott für die alphabetische Ordnung!) Und Dank seines schrillen, besten Freundes Rich (JACK T. CARPENTER) lies er sich überreden, Beth seine Liebe zu gestehen – während der Schulabschlussrede!

Die daraus resultierende Peinlichkeit ist jedoch schnell vergessen, als The Trinity – Beth und ihre beiden besten Freundinnen, die super-zickige Cammy (LAUREN LONDON) und die super-naive Treece (LAUREN STORM) – auf Denis’ und Richs spontaner Abschlussparty erscheinen.

Dummerweise taucht auch Beths stiernackiger Möchtegernsöldner-Freund Kevin (SHAWN ROBERTS) auf, und zwar mit seinen ebenso fiesen, sicherlich nur im zweistelligen IQ-Bereich befindlichen, Freunden im Schlepptau. Als es zur unvermeidlichen „Du hast dich an meine Frau rangemacht!“ -Prügelei kommt, eilt Beth zur Rettung, verfrachtet Denis, Rich, Cammy und Treece schnell in ihrem Cabrio und weg sind sie. Während der nächtlichen Flucht, die von Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang dauert, muss Denis feststellen, dass er seiner kurzen Rede die wildeste, ereignisreichste, lustigste und aufschlussreichste Nacht seines Lebens verdankt.

Drehbuchautor, Produzent und Regisseur Chris Columbus war schon immer ein lustiger Typ…kombiniert mit einem Sinn fürs Bizarre, aber trotzdem lustig. Bestes Beispiel: Der Megahit GREMLINS („Gremlins – Kleine Monster“, 1984), eines von Columbus’ ersten Drehbüchern, handelte von einer knuddeligen, pelzigen Kreatur, die sich in ein garstiges, mörderisches Monster verwandelt, wenn sie mit Wasser in Berührung kommt. Eine Horde von ihnen terrorisiert daraufhin eine ganze Stadt.

Ein paare Jahre später inszenierte Columbus HEARTBREAK HOTEL („Heartbreak Hotel“, 1988), eine Hommage an Elvis Presley, bei der er mit dem jungen Regieassistenten Mark Radcliffe zusammenarbeitete. Auch an Columbus’ nächstem Hit HOME ALONE („Kevin – Allein zu Haus“, 1990) um einen kleinen Jungen, der die elterliche Wohnung gegen zwei Möchtegern-Einbrecher verteidigt, war Radcliffe als Erster Regieassistent und Associate Producer beteiligt. Während ihrer Zusammenarbeit stellten sie fest, dass sie beide dieselben Vorstellungen über das Filmemachen teilen – lustig, kreativ und unkonventionell – und arbeiteten auch an weiteren Projekten zusammen. Bei der romantischen Komödie NINE MONTH („Neun Monate“, 1995) stieß Produzent Michael Barnathan zu dem Duo und gemeinsam gründeten die drei die Produktionsfirma 1492 Pictures.

Viele Filme später, Komödien, Dramen und nicht zuletzt die Adaptionen von drei der weltweit populärsten Bücher überhaupt, begab sich Columbus auf die Suche nach einem neuen Regieprojekt. Als Barnathan anmerkt: „Weißt Du, Chris, es ist wirklich lange her, seit Du das letzte Mal lustig warst“ wurde ihm klar, dass es in der Tat sehr lange zurück liegt. Zufälligerweise flatterten ungefähr zu der Zeit die ersten einhundert Seiten eines bis dato unveröffentlichten Romans bei 1492 Pictures auf den Tisch. Der Titel: I LOVE YOU, BETH COOPER – eine witzige, unkonventionelle und bizarre Geschichte um einen liebeskranken Trottel namens Denis und sein Objekt der Begierde, Beth, die – samt ihrer bunten Entourage – ihre Schulabschlussparty damit verbringen, vor Beths rachsüchtigem Freund zu fliehen. Columbus verliebte sich beim ersten Lesen in die Geschichte.

Dazu Barnathan: „Die Story von I LOVE YOU, BETH COOPER verfügt über einen echten emotionalen Kern und ganz viel Herz, genau wie es uns gefällt. Mark Radcliffe ergänzt: „Chris’ große Stärke als Regisseur ist, dass er Comedy mit großen Gefühlen vereint, und I LOVE YOU, BETH COOPER hat von beidem reichlich.“

Autor des Romans war Larry Doyle, dem es wunderbar gelang, die universellen Themen und Fallstricke der letzten Tage in der High School trotz mangelnder eigener Erfahrungen auf den Punkt zu bringen. Die genau beobachtete, urkomische Story hat Doyle geschrieben, als wäre er tatsächlich in der entsprechenden Ära zur Schule gegangen, und dann strickte er sie auf aktuelle High-School-Welt um. „Die grundlegenden Probleme eines Teenagers – herauszufinden, wer man ist und wohin man gehört – haben sich nicht verändert“, sagt er. „Im ersten Moment scheinen sich die Figuren sich auf eine ganz bestimmte Art und Weise zu verhalten. Doch am Ende des Films ist keiner wirklich so wie man es gedacht hätte.“

Zwei Tage, nachdem er das Manuskript als 100-Seiten-Auszug herumgereicht hatte, landete es bei einigen von Hollywoods führenden Produzenten und wurde von 1492 weggeschnappt.

Für Doyle buchstäblich ein Traum: „Die Geschichte selbst kam mir im Schlaf, als Ich träumte, ich hielte meine High-School-Rede und würde dabei meine Liebe zu einem Mädchen gestehen, in das ich seit der siebten Klasse verliebt war.“ Columbus interessierte sich für die Geschichte, weil sie so allgemeingültig und im Kern eine ganz großartige Liebesgeschichte ist. Er sagt: „Es fasziniert mich, wie ein Schüler mit solchen intensiven Emotionen umgeht – die erste Liebe, Zweifel an der eigenen Identität, egal, ob es sich dabei um Zukunftssorgen oder die sexuelle Orientierung handelt. Die letzten beiden High-School-Jahre sind die emotional turbulentesten unseres ganzen Lebens. In Bezug auf die Gefühle die wir zu uns selbst haben wird es nicht mehr intensiver.“

Für I LOVE YOU, BETH COOPER verließ sich Columbus bei der Entwicklung, beim Casting und bei der Regie des Films auf Methoden, die er seinerzeit auch bei dem ersten HARRY-POTTER-Film anwandte. Er sah abermals die Chance, junge, neue Schauspieler zu prägen und mit ihnen zusammenzuarbeiten. Dazu Columbus: „Schauspieler, die noch am Anfang stehen, sind ganz versessen und hungrig darauf, in einem Film mitzuspielen. Genau diese Energie liefert der Produktion den richtigen Zündstoff. Außerdem haben sie keine Starallüren und kommen pünktlich zur Arbeit. Man kann zwar niemals seine eigene Jugend heraufbeschwören, aber die kreative Energie, die einen vor 15, 20 Jahren mitgerissen hat, schon. Genau das erhoffte ich für den Film.“

Columbus beschreibt I LOVE YOU, BETH COOPER folgendermaßen: „Der Film handelt von zwei Menschen, deren Wege sich zu einem Zeitpunkt kreuzen, an dem beiden ein gewaltiger Entwicklungssprung bevorsteht. Denis’ blickt einer strahlenden, erfolgreichen Zukunft entgegen, Beth hingegen einer eher ungewissen. Es könnte sein, dass sie ihren Gipfel in der High School schon erreicht hat. Diesen Augenblick des Zusammentreffens fand ich hochinteressant.“

Zum Glück für Columbus, hatte die perfekte Beth Cooper – Hayden Panettiere aus der TVSerie „Heroes“ – bereits ihr Interesse an dem Projekt bekundet. Er erinnert sich noch lebhaft an den ersten Eindruck, den er von ihr hatte. Sobald Panettiere den Raum betrat, drehte sich Columbus zu Michael Barnathan und sagte: „Sie ist ein großer Filmstar.“

Panettiere interessierte sich sehr für die vielschichtige Beth, die ihr Gelegenheit gab, ihr Cheerleader/Superhero-Image aus „Heroes“ auf den Kopf zu stellen: „Beth macht eine endgültige Veränderung durch. Am Anfang kennt man sie zwar nicht aber mag sie auch nicht. Sie ist das populäre Mädchen der Schule. Sie wirkt ein wenig schroff, aber je näher man sie kennenlernt, umso mehr merkt man, dass sie einfach nur fürchtet, dass auf sie nach der High School ein völlig gewöhnliches Leben wartet. Sie kann nichts wirklich gut, hat kein Talent. Sie ist weder besonders intelligent, noch gut in der Schule. Sie wird es auf kein angesehenes College schaffen und kann sich noch nicht einmal einen Studienplatz in einem Community College leisten…ergo die High School ist ihre Welt. Dort ist sie erfolgreich und nur dort kennt sie sich wirklich aus.“ Columbus hielt Panettiere für die perfekte Besetzung: „Ich wusste, dass sie eine sehr talentierte Schauspielerin ist, hatte aber keine Ahnung, dass in ihr auch eine so fabelhafte Komödiantin steckt. Sie verfügt über ein tolles komödiantisches Timing.“

Panettiere erklärt die Diskrepanz zwischen dem, was in I LOVE YOU, BETH COOPER erzählt und wie es erzählt wird: „Jedes Mal, wenn ich den Plot des Films und die Figuren beschreibe, klingt alles furchtbar dramatisch, obwohl unser Film wirklich sehr lustig ist. Das zeigt mir, dass unsere Komödie wirklich Herz hat. Wir flüchten quasi den ganzen Film lang vor meinem psychotischen Freund durch die Nacht, der droht, Denis wegen seiner Liebesbeichte zu zerstören. Doch zwischendurch passiert so viel – wir lassen uns völlig gehen, trinken etwas, gehen in den Wald und enden auf einer schicken Abschlussparty, in eine Hütte am See – das ist alles sehr witzig. In einer der Szenen fahre ich mit einem Hummer in ein Haus! Und alles endet bei der Polizei. Das ist doch nicht so dramatisch, oder?“

Um den richtigen Schauspieler für die Rolle des Denis Cooverman zu finden, begann ein intensives Casting in Los Angeles, New York und Vancouver. Im Upright Citizens Brigade Theatre wurde man schließlich bei einem Improvisationsauftritt von Paul Rust fündig. Rust war mit dem Ziel von Iowa nach Los Angeles gezogen, ein Comedy-Künstler zu werden; oder wenigstens hatte er gehofft, „der lustige Typ“ in einem Ensemble werden zu können. Von einer Hauptrolle in einem großen Kinofilm hätte er nicht einmal zu träumen gewagt.

„Paul ist ein sehr begabter verbaler und physischer Komiker – und ein toller Schauspieler“, sagt Columbus. „Seine Performance ist so natürlich, ehrlich und rührend. Sobald man Paul näher kennenlernt, nimmt man seine reife und komplexe Persönlichkeit war. Genau das lässt er auch in seine Rolle einfließen. Ich habe schon viele Schauspieler getroffen, die sehr komisch sein konnten, aber niemanden mit so viel Gefühl. Ich liebe diese Kombination. Paul ist nicht der Typ, von dem man erwartet, dass er am Ende eines Films tatsächlich das Mädchen kriegt. Man traut ihm überhaupt keinen Erfolg bei Frauen zu, aber das hat er mit Woody Allen, Charlie Chaplin, Groucho Marx oder aktuell Seth Rogen gemein. Paul verkörpert einen ähnlichen Typus.“

„Einen wie Denis gab und gibt es in jeder Klasse“, sagt Paul Rust. „Er ist der Trottel, der eigentlich nur zu schüchtern und ängstlich ist, um das Leben zu genießen. Und dann, eines Tages, entscheidet er sich aus unerfindlichen Gründen dazu, sich völlig zu öffnen und nicht mehr schüchtern zu sein. Er erzählt jedem, dass er in Beth Cooper verliebt ist, dabei haben die beiden noch nie ein Wort miteinander gewechselt. Und als er sich öffnet, verändert sich sein Leben.“

Panettiere findet, Rust trifft mit Denis’ Charakterisierung mitten ins Schwarze. Sie geht sogar noch weiter: „Denis Cooverman bringt mit seiner eigentümlichen Art die Wahrheit in den Menschen zum Vorschein. Alle werden durch ihn ehrlicher.“ „Bevor man ein gewisses Alter erreicht hat, denkt man in Schwarz-Weiß-Kategorien“, sagt Rust, „doch je reifer man wird, desto mehr merkt man, dass die Dinge ein bisschen komplizierter sind. Auch Denis werden die Augen geöffnet, er erkennt, dass Angst und die Furcht vor neuen Erfahrungen einen daran hindern, ein zufriedenes Leben zu führen. Was Beth betrifft, gelingt es Denis, ihr Selbstwertgefühl zu steigern.“

Wenn Beth ganz oben auf der Sozialleiter der Buffalo Grove High steht, dann sind Denis und sein bester Freund Rich fast ganz unten, um die Leiter festzuhalten. Larry Doyle sagt: „Denis und Rich stehen am untersten Ende der Hierarchie, knapp hinter den Mathe- Cracks.“ Die Rolle des schrillen Rich besetzte man mit Jack T. Carpenter, der Denis’ und Richs Stellenwert im High-School-Universum folgendermaßen beschreibt: „Wir spielen keine kompletten Loser. Irgendwie gehören wir nur einfach nicht dazu. Das erinnert mich schon an meine eigene High-School-Zeit.“

Die Rolle des Rich ist eine großartige Mischung aus Sprachwitz, Körperkomik und viel Gefühl …wie der Narr bei Shakespeare. Wer wollte so eine Rolle nicht gern spielen? Carpenter ergänzt: „Am besten gefällt mir an Rich, dass er hinter seiner Masche und seinen Filmzitaten eine unglaubliche Aufrichtigkeit verbirgt. Er ist ein Mensch aus Fleisch und Blut, der sich mit einem ziemlich heftigen Background herumplagen muss. Er läuft in diesen brandneuen Schuhen herum, die er sich selbst kaufen musste, weil sein Vater es nicht kann. Das ist seltsam symbolisch, denn Rich versucht tänzelnd durchs Leben zu kommen und alles Negative weitgehend auszublenden. Er überredet Denis auch, Beth seine Liebe zu gestehen, weil das in Richs vom Kino beeinflusster Realität immer dazu führt, dass sich diejenigen auch tatsächlich ineinander verlieben. Als sich die Dinge anders entwickeln, verbeißt er sich nicht darin, sondern erteilt Denis einfach den nächsten schlechten Ratschlag.“

Was Rich für Denis ist, das sind Cammy und Treece für Beth. Für Lauren London und Lauren Storm –„Die Laurens“, wie sie während der Produktion genannt wurden – sind aus einem einfachen Grund Beths beste Freundinnen: Weil sie sie nie kritisieren. Lauren London war vom Drehbuch begeistert: „Gleich beim ersten Lesen fand ich es wahnsinnig komisch und musste einfach dabei sein. Ich wollte unbedingt Cammy spielen, aber nicht nur, weil sie so barsch und zickig ist, sondern weil man sie trotzdem nicht hassen kann. Sie ist so liebenswert, weil sie die Wahrheit sagt. Die meisten Menschen filtern ihr Verhalten anderen gegenüber, Cammy nicht. Sie sagt, was sie denkt, ohne darüber nachzudenken. Das ist lustig, sarkastisch und bissig. Aber es ist vor allem witzig, weil sie eigentlich ein guter Mensch ist.“

Lauren Storm sagt: „Cammy hat zuhause große Probleme. Manchmal sind die gemeinsten Menschen die, die selbst am tiefsten verletzt wurden. Treece dagegen ist einfach dieses dumme Huhn – das soll jetzt keine Wertung sein, ich denke, es ist genetisch bedingt – welches körperliche Anziehungskraft mit wirklicher Liebe verwechselt. Man könnte sagen, sie ist leicht zu haben. Dennoch habe ich sie mir nie als typisches „blondes Dummchen“ vorgestellt, um die Figur nicht vorab zu verurteilen, bevor ich sie gespielt habe. Sie mag dumm sein, auf jeden Fall ist sie naiv und glücklich. Ich musste meine Denkweise jedenfalls komplett anpassen.“ (Nicht nur ihre Denkweise: Storm legte für den Screentest fast 7 kg Gewicht zu, und für die Rolle dann noch einmal 7, um der kurvenreichen Beschreibung im Buch zu entsprechen.)

Auch Shawn Roberts fand eine persönliche Beziehung zu der Rolle, die er spielt: Beths Freund Kevin, ein eifersüchtiger Macho und Schläger, wie er im Buche steht. Obwohl Roberts früher selbst nie einstecken musste, was Kevin austeilt, konnte er sich vorstellen, wie es sein muss. „Mich haben die Schulrowdys ziemlich in Ruhe gelassen. Aber ich hatte zwei ältere Brüder, wenn das zählt. Und die haben sich ganz ähnlich aufgeführt. Aber ich selbst bin nie so schikaniert worden; glücklicherweise, denn ich habe gesehen, wie schmerzhaft und destruktiv so etwas sein kann.“

Vor Beginn der Dreharbeiten verbrachten die Schauspieler zwei Wochen in Vancouver, um zu proben und sich besser kennen zu lernen. „Wir sind alle ziemlich verschieden“, sagt Carpenter. „Ich glaube nicht, dass wir uns unter anderen Umständen miteinander abgegeben hätten. Aber weil uns diese Situation alle zusammenbrachte, entwickelten wir diese interessante, außergewöhnliche Beziehung zueinander…fast wie die im Film.“

Columbus bittet seine Schauspieler üblicherweise, sich Backgrounds für ihre Figuren auszudenken und aufzuschreiben, um sich so auf ihre Rollen vorzubereiten. Diese Hintergrundinfos wurden dem gesamten Cast vorgelesen, was die Beziehung zu ihren Filmfiguren noch verstärkte. Einige fanden sogar Gemeinsamkeiten zwischen sich und der Figur, die sie spielen sollten. Dazu Rust: „Ich dachte beim Lesen des Drehbuchs: ’Witzig, genau diese Fehler habe ich bei meinem Abschluss auch gemacht!’ Ich war ebenfalls Redner meiner Klasse und habe die Gelegenheit ausgiebig zur Abrechnung genutzt. Ich habe so viele Reden gehört, in der die Sprecher behaupteten, dies seien die besten Jahre ihres Lebens gewesen, und in meiner eigenen Ansprache gefragt: Wirklich? Dann listete ich die ganzen hässlichen Dinge auf, die während der High School passieren, schmerzhafte Trennungen, Akne und Teenagerschwangerschaften. Ich war ein richtiger Klugscheißer. Hinterher war es mir oberpeinlich und ich bedauerte jedes Wort.“

Doch die Proben brachten nicht nur erstklassige Charakterisierungen hervor. Trotz des romantischen Titels I LOVE YOU, BETH COOPER gibt es im dem Film nämlich einige richtige Kampfszenen – meist zwischen Kevin und seiner Gang, die Denis aufmischen – und die mussten ebenfalls ausgearbeitet werden. Hauptschläger Shawn Roberts arbeitete dafür mit dem legendären Kampfchoreographen Bob Brown, seinem Ko-Star Rust und sämtlichen Stunt Doubles zusammen, damit es beim Dreh der Szenen keine Verletzungen gab.

Rust fand, dass seine Weiterentwicklung im Film – er widersteht schließlich dem Impuls, ständig vor Kevin wegzulaufen – von ihm verlangte, so viele Stunts selbst auszuführen, wie Columbus es ihm erlauben würde. Roberts dazu: „Paul entpuppte sich als zäher Bursche. Es gibt einen Kampf im Umkleideraum, bei dem ich ihn umhaue und seine Kronjuwelen nur um Zentimeter verfehle. Es gibt nicht viele, denen ich bei so einer Szene vertrauen würde. Aber da Bobby die Sache leitete, gab es keinen Grund zur Besorgnis. Dass Paul viele der Stunts selbst ausführte war für die anderen Schauspieler sehr hilfreich. Denn so wurde der Drehfluss nicht ständig unterbrochen, um Paul gegen ein Stunt Double auszutauschen. Verstehen Sie mich nicht falsch – die Stuntmänner waren unglaublich talentiert. Aber sie können ja schwerlich Pauls Sätze rüberbringen. Wir haben uns also alle unheimlich viel Mühe gegeben und ich denke, das hat sich ausgezahlt. Jedenfalls hatte der Cutter es dadurch etwas leichter.“

Dank seiner engen Arbeitsbeziehung zu Columbus, konnte Rust größere Risiken eingehen. Dazu Rust: „Chris und ich haben meine Filmfigur gemeinsam erarbeitet. Wenn ich mit einer Idee oder einem Vorschlag zu ihm kam, setzte er noch eins drauf und verbesserte alles. Er ist nicht der Typ, der einen mit ’schlechter Einfall’ abblitzen lässt. Stattdessen heißt es: ’Oh, die Idee gefällt mir, aber wie wäre es, wenn wir es folgendermaßen machen?’ Und dann verbessert er deinen Vorschlag. Das zeichnet einen guten Regisseur aus: Er verhilft dir zu dem, was du eigentlich ausdrücken möchtest und räumt dir dann den Platz ein, den du dafür benötigst.“

Die Dreharbeiten zu I LOVE YOU, BETH COOPER dauerten neuneinhalb Wochen und fanden im kanadischen Vancouver, British Columbia statt. Die größte Herausforderung dabei: Wie dreht man einen Sommerfilm im Nordwesten, wenn gerade Frühling ist? Mutter Natur hatte jedenfalls einige Überraschungen parat, darunter ein heftiges Schneegestöber. Die Handlung des Buchs wurde von einem Vorort Chicagos nach Tacoma, Washington verlegt. Das verschaffte der Produktion nicht nur mehr Spielraum beim Wetter, sondern erlaubte den Filmemachern, auf und am wunderschönen Lake Alouette zu drehen, einem von bewaldeten Bergen umgebenen Gletschersee, anderthalb Stunden von Vancouver entfernt.

Weil die Filmemacher keine Schule finden konnten, die alle benötigten Szenenbilder bot, drehte man in vier verschiedenen, die im Film zur Buffalo Glenn High School verschmelzen. Mehr Glück hatte man bei Vallis Haus. Obwohl der Schauplatz der katastrophalen Party im Buch detailreich beschrieben wird, fand Produktionsdesigner Howard Cummings im Randgebiet von Vancouver das perfekte Gebäude, dem man lediglich eine falsche Fensterfront verpassen musste (die für die Innenaufnahmen noch einmal gebaut wurde). Es war die ideale Location, in die die rachsüchtige Beth mit Kevins Hummer hinein rasen konnte. Als Kontrast wählte man einen eleganten Design-Bungalow, der zum Haus der Coovermans umfunktioniert wurde.

Die Crash-Szene mit dem Hummer ist der aufwändigste Stunt des Films. Sieben Wochen dauerten die Vorbereitungen bis zur Durchführung. Die Fensterfront für die Innenaufnahmen der Szene wurde aus Balsaholz und Zuckerglas gebaut, um mögliche Verletzungen durch herumfliegende Trümmer zu minimieren. Außerdem kracht der gewaltige Wagen in eine reich gedeckte Tafel. Doch das Porzellan und Besteck wurde für die Szene ebenfalls aus Sicherheitsgründen gegen Plastik und Acryl ausgetauscht. Die Szene wurde mit fünf Kameras aufgenommen.

Cummings erklärt: „Diese Sequenz war sehr aufregend für uns und erforderte lange Vorbereitungen an denen fast alle Abteilungen beteiligt waren. Es ist eben ziemlich kompliziert, etwas kaputt zu machen und durch die Luft fliegen zu lassen. Alles muss genauestens koordiniert werden. Dann holten wir noch unterschiedliche Meinungen darüber ein, wie man den Stunt sonst noch ausführen konnte. Aber am wichtigsten war natürlich die Sicherheit aller Beteiligten.“

Alle an I LOVE YOU, BETH COOPER Beteiligten fühlten sich von dem universellen Thema des Films angesprochen: Dass es während der High-School-Zeit oft komisch zugeht, während man versucht, dem Ernst des Lebens entgegen zu sehen. Hayden Panettiere fielen spontan viele andere Filme ein, die sie in ihrer Kindheit gesehen hat. Sie hofft, „dass eines Tages auch Zeilen aus unserem Film zitiert werden, wie aus einigen John-Hughes-Filmen der 1980er. Das wäre klasse. Dann hieße es, ’das stammt doch aus diesem alten Film I LOVE YOU, BETH COOPER, den habe ich geliebt!’ Eines Tages werde ich alt und grau sein und denken, ’Oh, ich erinnere mich, den gedreht zu haben’.“

Paul Rust wird nie vergessen, was es heißt, jemanden im einem ganz neuen, besseren Licht zu sehen: „Denis hält Beth für einen Engel. Doch dann, nachdem er den Abend mit ihr verbracht hat, stellt er fest, dass sie flucht und trinkt und eindeutige Angebote macht, um an Bier heranzukommen. Das ist ein Erweckungserlebnis, eine Art, sich selbst zu öffnen. Ich glaube, dadurch wird Denis erwachsen.“

Larry Doyle schrieb den Roman und das Drehbuch, in dem sich jeder irgendwie wiederfinden kann, wie er glaubt: „Dieselbe Geschichte hätte auch zu meiner High-School- Zeit geschehen können. Ich wusste, dass Leute meines Alters – also steinalte Leute wie ich, die die Großdruckausgabe brauchen – die Geschichte nachempfinden können. Aber was mich wirklich positiv überrascht hat, waren die vielen Teenagerbriefe von überall. Und die habe ich nicht bekommen, weil ich großartige Innenansichten in das heutige Teenagerdasein hätte, sondern weil es sich gar nicht verändert hat, ein Teenager zu sein. Die wichtigen Dinge, über die Teenager nachdenken und sich Sorgen machen, wie Drogen und Sex, mögen ja variieren, was die Intensität angeht. Aber die grundlegenden Themen, nämlich herauszufinden, wer man eigentlich ist und wohin man gehört, bleiben für Teenager immer gleich – egal, wann sie aufwachsen. Ich wurde gefragt, ’Woher wussten sie, wie es ist, ein Teenager zu sein?’ Und alles, was ich dazu sagte, war: „Weil ich selbst mal einer war’.“

 
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