Filminfo: Happy - go - lucky
 
 

Kinostart: 3.Juli 2008

Pauline, von allen nur Poppy genannt, arbeitet als Grundschullehrerin im Norden Londons und ist das, was man eine wahre Frohnatur nennt: stets gut gelaunt, offenherzig, hilfsbereit und ihren Mitmenschen gegenüber unvoreingenommen. Kurzum: Poppy muss man einfach gern haben. Mit der großen Liebe hat es allerdings noch nicht so richtig geklappt – ist aber auch halb so wild. Schließlich hat Poppy ja ihre Mitbewohnerin Zoe, ihre Schwester Suzy und noch einen ganzen Haufen bester Freundinnen, mit denen sie um die Häuser ziehen kann. Poppys unbeschwerte Art löst in ihrer oft etwas missgelaunten Umwelt allerdings auch Befremden und Erstaunen aus. Manche halten sie für ein wenig schlicht, einige sogar für verrückt. Auf jeden Fall aber führt Poppys Dauerflirt mit dem Leben am laufenden Band zu den absurdesten Situationen, deren Komik nicht selten in anarchischer Auflösung gipfelt.

Poppys Welt ist bunt. Sie ist stets bester Laune, zu allen Menschen freundlich und bewegt sich tänzelnd, singend, und fröhlich winkend durch ihr glückliches Leben. Poppy liebt Trampolin springen, Fahrrad fahren, Kinderbücher lesen und das Herumalbern mit ihren Freundinnen. Wer jetzt annimmt, es handle sich bei Poppy um eine sechsjährige Elevin mit ausgeprägt sonnigem Gemüt, der liegt etwas daneben.

 

Denn Poppy besucht zwar tatsächlich täglich die Grundschule, aber als Lehrerin. Die unbeschwerte Art der 30-Jährigen trifft allerdings mehr als hundertprozentig auf sie zu und erwachsen werden macht ja auch keinen Spaß. In einer latent depressiven Gesellschaft wirkt Poppy deshalb wie eine Außerirdische vom LiLa-Laune-Planeten. Vor allem aber führt ihre frühlingsfrische Unbekümmertheit zu den absurdesten und bizarrsten Situationen, deren Komik nicht selten in geradezu anarchischer Auflösung gipfelt. So mischt die quietschfidele Poppy einen Flamenco- Kurs auf, der nach Meinung seiner Leiterin, der gestrengen Rosita aus Sevilla, eigentlich Seelenpein und Weltschmerz tänzerisch zum Ausdruck bringen sollte. Ein von Poppys grundbürgerlicher und obendrein hochschwangerer Schwester Helen veranstaltetes Barbecue endet dank Poppys unverwüstlichem Frohsinn in Chaos und Hysterie. Und nicht zuletzt treibt Poppy mit ihrer neckischen Art ihren dauergrantigen Fahrlehrer Scott in eine ausgewachsene Nervenkrise. Ach ja, und dann kommt auch noch die Liebe ins Spiel...

Mit HAPPY-GO-LUCKY hat Mike Leigh (VERA DRAKE, LÜGEN UND GEHEIMNISSE), der preisgekrönte Meister des New Britisch Cinema ein Feelgoodmovie geschaffen, das vor einem realistischen Hintergrund eine Leichtigkeit entfaltet, die seinesgleichen sucht. Und doch bleibt Leigh seinem Cosmos treu, nur diesmal fehlt jede Schwere – keine Depression in Sicht. Stattdessen Farbe, Bewegung und akzentuierte Dialoge. Der Film gleicht einem Musical – nur ohne Gesang. Er beschwingt und mit ihm seine Hauptdarstellerin Sally Hawkins. Als Grundschullehrerin Pauline, kurz Poppy genannt, bringt sie mit ihrer gnadenlos guten Laune auch die verstocktesten Verhältnisse zum Tanzen. Sie ist von so ansteckendem Optimismus und Glauben an das Gute im Menschen geprägt, dass jede Begegnung in ihrem Alltag, durch den wir sie begleiten, zum Fest wird. Eddie Marsan stellt im Film das misanthropische Gegenstück zu Poppy dar. Er spielt Scott, den psychotisch-cholerischen Fahrlehrer und sorgt für die furiosesten Wutausbrüche der Filmgeschichte. Schließlich erliegt aber auch er Poppys unwiderstehlichen Charme. Schreiend-komisch ist auch Karina Fernandez als Flamenco-Lehrerin Rosita, die der ungelenken Britin den Takt beibringt. So stürmisch und laut der Film beginnt, so sehr kehrt am Ende Ruhe ein, denn Poppy ist eins mit sich: sie hat die Liebe gefunden.

Auf der diesjährigen Berlinale war HAPPY-GO-LUCKY der heiterste und bunteste Wettbewerbsbeitrag des von überwiegend schwergewichtigen Werken geprägten Festivals und wurde sowohl vom Publikum als auch von der Kritik mit Lachsalven und Szenenapplaus gefeiert. Sally Hawkins eroberte die Herzen im Sturm und wurde für ihre Rolle als Vitalitätskreisel Poppy mit dem Silbernen Bären als beste Darstellerin ausgezeichnet.

 
     
 
 
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