Filminfo: Gomorrha
 
     
 

Kinostart: 11. September 2008

Ein Reich teilt man nicht durch einen simplen Händedruck, man zerschneidet es mit dem Messer. Das Reich dieses Filmes sind die Provinzen von Neapel und Caserta: ein Gomorrha in den Händen der Camorra. GOMORRHA basiert auf dem aufsehenerregenden internationalen Bestseller des jungen italienischen Autors Roberto Saviano (allein in Italien verkauften sich über 1,4 Millionen Exemplare), der jahrelang Auge in Auge mit dem Verbrechen und deren Opfern recherchiert und so sein Leben riskiert hat. 2006 schlug das Buch in Italien ein wie eine Bombe, weshalb Saviano seither unter Personenschutz steht und seinen Aufenthaltsort geheim halten muss.

Auch in Deutschland eroberte der Roman (erschienen 2007 beim Carl Hanser Verlag) sofort die Bestsellerlisten (z. B. Rang eins im SPIEGEL-Ranking). Insgesamt wurde das Buch, das sich in bislang nicht gekannter Offenheit mit den Machenschaften der neapolitanischen Camorra auseinandersetzt, in über 33 Sprachen übersetzt. Jetzt hat Matteo Garrone das semifiktionale Geschehen an Originalschauplätzen rund um Neapel mit unglaublicher Präzision in erschreckende Bilder gekleidet. Und auch der Film ist zur kompromisslosen Kriegserklärung an die Camorra geworden, die im internationalen Drogenhandel mitmischt, riesige Mengen Giftmüll verschiebt, gewaltige Geschäfte mit der Herstellung von Designermode macht und praktisch das Monopol auf den Zementhandel hat – schließlich sogar Geschäftsbeziehungen unterhält, die von Deutschland bis nach China reichen. An fünf Einzelschicksalen beschreibt GOMORRHA die suggestive Kraft der Camorra, die Operationen, mit denen die Clans ihre Macht behaupten und die Manipulationen, mit denen sie ihre schmutzigen Geschäfte in Gang halten: eine grausame Welt, die gleichwohl tief in der Realität verankert ist. Weshalb GOMORRHA große Mafia-Filmen wie „Scarface“ (Brian de Palma), „Hände über der Stadt“ (Francesco Rosi) oder „Der Pate“ (Francis Ford Coppola) fortschreibt – und dabei erschreckend aktuell ist.

 

In Italien setzte sich GOMORRHA sofort an die Spitze der Kinocharts und lockte innerhalb der ersten zwei Wochen sensationelle 1,5 Millionen Besucher in die Lichtspielhäuser. GOMORRHA wurde mit dem ARRI Zeiss Preis auf dem Filmfest München ausgezeichnet und erhielt beim Filmfestival in Cannes den Großen Preis der Jury.

Macht, Geld, Blut. Damit werden die Einwohner der Provinzen von Neapel und Caserta tagtäglich konfrontiert. Nur eine privilegierte Minderheit kann überhaupt daran denken, ein „normales“ Leben zu führen. Die süditalienische Mafiaorganisation Camorra mischt mit im internationalen Drogenhandel, verschiebt riesige Mengen Giftmüll, macht gewaltige Geschäfte mit der Herstellung von Designermode, hat praktisch das Monopol auf den Handel mit Zement – und Geschäftsbeziehungen, die von Deutschland bis nach China reichen.

GOMORRHA beschreibt die suggestive Kraft der Camorra, die Operationen, mit denen die Clans ihre Macht behaupten und die Manipulationen, mit denen sie ihre schmutzigen Geschäfte in Gang halten. Ein Film, der auf einem Weltbestseller beruht, dessen Autor trotz massiver Morddrohungen weiter mutig über das Verbrechen als System spricht und die Menschen wachzurütteln versucht.

Das organisierte Verbrechen Italiens ist eine Wirtschaft, die Krieg produziert. 10.000 Tote innerhalb der letzten 30 Jahre. Laut offiziellen Zahlen gab es sogar im israelischpalästinensischen Konflikt seit dem Beginn der Intifada weniger Opfer. Dieser „Wirtschaftszweig“ ist gleichzeitig einer der mächtigsten in Italien und mit einem geschätzten Handelsvolumen von 150 Milliarden Euro pro Jahr einer der Geschäftspfeiler in Europa. Zum Vergleich: Die gesamte FIAT-Gruppe macht weltweit ca. 58 Milliarden Euro Umsatz im Jahr.

In den vergangenen 30 Jahren wurden allein von der Camorra 4.000 Leute getötet, das sind mehr als von jeder anderen kriminellen Organisation einschließlich Terroristengruppen. Die Camorra hat mehr Menschen umgebracht als IRA, ETA, islamische Terrorgruppen und sogar mehr als die Cosa Nostra.

Die zahlreichen Clans, aus denen sich die Camorra zusammensetzt, haben ein dicht besiedeltes Gebiet unter sich aufgeteilt, das auch die Provinzen von Neapel und Caserta umfasst. Die Grenzen dieses unbeschränkten und unsichtbaren Reiches werden täglich weiter ausgeweitet und die Herrschaft der Clans über sie ist praktisch vollkommen.

Dabei verdient die Camorra ihr Geld nicht nur mit illegalen Drogen und Waffen oder den Schutzgelderpressungen, sondern auch mit Geschäften in den Bereichen Bau, Tourismus, Mode, Transport, Benzin, Handel, Lebensmittel, Supermärkte, Restaurants, Einzelhandel, Kinos und sogar Banken. Die unfassbaren Erträge aus diesen illegalen Aktivitäten werden anschließend in zahlreiche legale Geschäfte reinvestiert, die sich weit über die nationalen Grenzen hinaus erstrecken, von Taiwan bis nach Aberdeen. Die Camorra hat sogar Anteile am Wiederaufbau der Twin Towers in New York erworben.

Die Camorra verfügt über Tausende von „Mitgliedern“ aus allen sozialen Schichten: Ärzte, Geschäftsleute, Chemiker, Ingenieure, Arbeiter, Bauarbeiter, Müllmänner und Straßenkehrer, Psychologen, Lebensmittelhändler, Schneider, und Landarbeiter. Außerdem wirbt sie Kinder an, die als Drogendealer, Spitzel, Lieferjungen und sogar Soldaten beschäftigt werden und sich so binnen kürzester Zeit von Teenagern zu eiskalten Killern entwickeln. Laut der Nationalen Anti-Mafia-Abteilung (Direzione Investigativa Antimafia – DIA) verfügen die verschiedenen Mafia-Familien insgesamt über eine Armee von 25.000 „Soldaten“ und weitere 200.000 direkte Unterstützer.

Dank ihrer unschlagbaren Preise verfügt die Camorra über das Monopol bei der Beseitigung von Giftmüll. Seit über 30 Jahren haben Firmen aus Nord- und Mittelitalien ihren Giftmüll im Süden entsorgt, unterstützt durch die Hilfe von Vermittlern, die direkt camorristischen Firmen unterstehen. Auf diese Weise wurden nicht nur ganze Landstriche vergiftet, sondern es wurde auch zum exponentiellen Anstieg der dortigen Krebserkrankungen beigetragen. Würde der illegal von den Clans verwaltete Giftmüll zusammengetragen, es entstünde ein 14.600 Meter hohes Gebirge mit einer Grundfläche von drei Hektar. Also fast doppelt so hoch wie der Mount Everest, der als höchster Berg der Welt gerade mal 8.850 Meter misst.

Im Modesektor produziert die Camorra nicht nur Unmengen an gefälschter Designerkleidung, sie ist durch das riesige Netzwerk an illegalen Firmen, die auf Clankredite angewiesen sind, auch an der Produktion einiger der prestigeträchtigsten italienischen Fashionlabels beteiligt.

Scampia, ein nördlich von Neapel liegender Vorort, gilt als größter offener Marktplatz der Welt für Drogen. Die hier erwirtschafteten Verdienste eines einzigen Clans belaufen sich auf ca. 500.000 Euro. Täglich! Hier nahm auch die Fehde eines der mächtigsten Clans ihren Ausgang, eine Auseinandersetzung, die seit Februar 2004 zu Dutzenden von Toten innerhalb weniger Wochen führte.

 
     
 
 
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