Seit jeher wird der charismatische Professor Kepesh (Ben Kingsley) von schönen und abenteuerlustigen Studentinnen nur so umschwärmt. So wenig er einer heißen Affäre je abgeneigt war, so sehr lässt er keine seiner Eroberungen wirklich an sich heran. Er genießt ihre Bewunderung – vor allem jetzt, da er selbst bereits ein reiferes Alter erreicht hat. Aber wenn es ihm zu viel wird, zieht er sich zurück. Das ändert sich, als Consuela Castillo (Penélope Cruz) den Hörsaal betritt. Mit ihrer Schönheit und Selbstsicherheit ist die Tochter kubanischer Immigranten nicht nur eine atemberaubende Erscheinung, sie ist dem alternden Professor auch intellektuell gewachsen.
Consuela weiß, was sie will, ist temperamentvoll und überaus emotional. Vielleicht zum ersten Mal in seinem Leben spürt Kepesh, dass ihm tatsächlich jemand seine Grenzen aufzeigen könnte. Immer mehr entwickelt sich seine Zuneigung zu einer regelrechten Obsession. Doch seine rasende Eifersucht und Fantasien von Verrat und Betrug beginnen, ihre Beziehung zu bedrohen. Als Consuela ihn schließlich verlässt, ist Kepesh am Boden zerstört. Zwei Jahre später jedoch kehrt Consuela unvermittelt in sein Leben zurück. Sie hat einen dringenden Wunsch, der alles verändern wird...
Die Spanierin Isabel Coixet, die bereits mit ihren eindringlichen Filmen MEIN LEBEN OHNE MICH (2003) und DAS GE HEIME LEBEN DER WORTE (2005) international für Furo re sorgte, ist die erste Filmemacherin, die sich einer literarischen Vorlage des ebenso gefeierten wie umstrittenen US-amerikanischen Schriftstellers und Pu lit zer-Preisträgers Philip Roth zuwandte. Das Ergebnis beein druckt und verblüfft gleichermaßen. Und auch das Publikum auf der diesjährigen Berlinale, wo ELEGY seine Weltpremiere feierte, zeigte sich begeistert.
ELEGY thematisiert die ebenso leidenschaftliche wie tragische Beziehung zwischen dem charismatischen College-Professor David Kepesh und der atemberaubend schönen Studentin Con suela Castillo. Dabei ergreift der Film weder für die eine noch die andere Seite eindeutig Partei oder fällt ein moralisches Urteil.
Was auf den ersten Blick wie eine Männerfantasie erotischer Verführung anmutet, verwandelt Isabel Coixet in eine messerscharfe Analyse einer komplizierten Liebe mit all ihren Licht- und Schattenseiten. Der einfühlsamen Regisseurin ist es mit ihrer Adaption von Philip Roths 2001 publiziertem Kurzroman „Das sterbende Tier“ („The Dying Animal“) gelungen, ein unglaublich intimes Drama auf die Leinwand zu bannen. So nachdrücklich, wie es vielleicht nur einer Frau möglich war, erzählt sie von Liebe, Vergänglichkeit und der Angst davor, eigene Wünsche und Gefühle zu formulieren.
Spaniens größter weiblicher Kinostar, die bereits für den Oscar nominierte Penélope Cruz (VOLVER, ALLES ÜBER MEINE MUTTER), und der britische Oscar-Preisträger Sir Ben Kingsley (GANDHI, SEXY BEAST), glänzen in den Hauptrollen. Aber auch die übrige Besetzungsliste liest sich eindrucksvoll: In weiteren Rollen sind u.a. Hollywood-Legende Dennis Hopper (EASY RIDER, BLUE VELVET, SPEED), Oscar-Nominee Patricia Clarkson (DEM HIMMEL SO FERN, PIECES OF APRIL), Shooting-Star Peter Sarsgaard (JARHEAD, KINSEY) und Deborah Harry (MEIN LEBEN OHNE MICH), Frontfrau der legendären Pop-Formation „Blondie“, zu sehen. Das Drehbuch verfasste Nicholas Meyer, der ebenfalls bereits für einen Oscar nominiert wurde.
Der charismatische New Yorker College-Professor David Kepesh (Ben Kingsley) kann sich trotz seines reifen Alters nicht über mangelnde Aufmerksamkeit seitens der Damenwelt beklagen. Ganz im Gegenteil. Seine regelmäßigen TV-Auftritte in Talk Shows, bei denen er gewand über Literatur und Zeitgeist philosophiert und die er gekonnt zur Promotion seiner eigenen literarischen Werke nutzt, verleihen ihm eine Aura, in deren Glanz sich so manche intellektuell ambitionierte Frau gern sonnen möchte. Doch ihm haben es vor allem die jungen Studentinnen angetan, die dem berühmten Professor in seinen Vorlesungen und Seminaren mit Verzückung lauschen. Und weil er sich nur zu gern auf ein Abenteuer mit den jungen Verehrerinnen einlässt, sind seine Verführungsmethoden im Laufe der Jahre nahezu zur Perfektion gereift.
Ironischerweise hängt direkt neben seinem Lehrstuhl- Büro ein Zettel, der Studentinnen auf eine Hotline- Num mer für Anzeigen von sexueller Belästigung hinweist. Aber Kepesh geht bei seinem Werben strategischer vor: Er wartet einfach, bis die Zensuren vergeben sind, um dann zum Semesterabschluss zur mittlerweile traditionellen Cocktailparty in seine Wohnung einzuladen. Hier kann er ungestört und völlig unverfänglich den willigen intellektuellen Nachwuchs einer intensiveren privaten Prüfung unterziehen. Doch so sehr er sei ne Eroberungen auch genießt, so schnell will er sich der jungen Damen dann auch wieder entledigen. Ihn interessiert allein die Jagd, die Beute langweilt ihn schnell, denn binden will sich der seit langem geschiedene Schöngeist auf keinen Fall mehr.
Diese Einstellung teilt Kepesh mit seinem besten Freund und Kollegen, dem Pulitzer Preis-gekrönten Dichter George O’ Hearn (Dennis Hopper). Dieser ist zwar mit Amy (Deborah Harry) ver heiratet, aber Treue gehörte noch nie zu O’Hearns Stärken. So tauschen die beiden in die Jahre gekommenen Schwerenöter immer wieder die pikanten Details ihrer jeweiligen Affären aus, sei es beim gemeinsamen Squashspiel oder bei ihren regelmäßigen Männergesprächen im Coffee Shop.
Aber es gibt noch eine weitere Konstante in Kepeshs Leben: seine Dauerbeziehung zu Carolyn (Patricia Clarkson). Auch sie war vor 20 Jahren einmal seine Studentin, und seitdem treffen sich die beiden alle paar Wochen zum Schäferstündchen in Kepeshs Apartment – immer wenn die erfolgreiche, vielreisende Geschäftsfrau gerade in New York zu tun hat. Carolyn, mittlerweile eine Dame in den besten Jahren, hat nämlich durchaus Verständnis für seine Bindungsunwilligkeit. Sie genießt das unverbindliche sexuelle Intermezzo ebenso wie er, ohne dabei den offiziellen Status einer Lebensgefährtin zu beanspruchen. Außerdem ersetzt sie ihm durch ihre langjährige Vertrautheit sogar ein wenig die eigene Familie, von der sich Kepesh inzwischen völlig entfremdet hat. Sein 35-jähriger Sohn Kenny (Peter Sarsgaard), ein renommierter Arzt und mittlerweile selbst verheirateter Vater, hat ihm nie verziehen, dass er ihn und seine Mutter damals verlassen hat. Kein Wunder also, dass Kepesh Junior für die amourösen Eskapaden seines alten Herren keinerlei Verständnis hat, und es zwischen den beiden regelmäßig zum Streit kommt.
Doch dann gerät die vertraute Welt von David Kepesh auf einmal völlig aus den Fugen...