Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks: Joachim Tennstedt leiht der Doku-Serie seine Stimme

Eine vertraute Stimme für die Geschichte: Tom Hanks führt durch die neue 20-teilige Dokumentation auf dem HISTORY Channel. Erfahre hier alles über die Zusammenarbeit mit seinem langjährigen Synchronsprecher Joachim Tennstedt.

Joachim Tennstedt, die deutsche Stimme von Tom Hanks, im Synchronstudio von TV+Synchron in Berlin bei den Aufnahmen zur HISTORY-Channel-Doku-Serie „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“ (Copyright: Sebastian Reuter/The HISTORY Channel)

Wenn Hollywood-Star Tom Hanks spricht, hört das deutschsprachige Publikum meist die markante Stimme von Joachim Tennstedt. Seit Jahrzehnten sind der Schauspieler und sein Synchronsprecher ein eingespieltes Team. Für die neue, monumentale Doku-Serie „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“ (Originaltitel: „World War II with Tom Hanks“) standen die beiden indirekt wieder gemeinsam im Studio. Ab dem 26. Mai 2026 ist die 20-teilige Produktion exklusiv auf dem HISTORY Channel sowie auf Abruf zu sehen.

Tom Hanks erzählt in einer neuen Doku-Serie des HISTORY Channels die Geschichte des Zweiten Weltkriegs (Copyright: 2025, A&E Television Networks, LLC / Art Streiber).

Ein Mammutprojekt der Zeitgeschichte

Die Serie beleuchtet die sechs dunklen Jahre, in denen die Welt in Flammen stand, aus einer sehr persönlichen Perspektive. Es geht um die Geschichten einzelner Menschen, die zu den schlimmsten Taten fähig waren, aber auch zu den größten Opfern bereit, um Leben zu retten. Mit Joachim Tennstedt als Sprecher bekommt die Dokumentation im Deutschen eine Tiefe und Emotionalität, die man sonst nur aus großen Kinoproduktionen wie Forrest Gump oder Der Soldat James Ryan kennt.

Joachim Tennstedt im Gespräch: „Tom Hanks hat keine Masche“

Im Rahmen des Serienstarts gab Joachim Tennstedt spannende Einblicke in seine jahrzehntelange Arbeit. Er blickt auf seine Karriere zurück, spricht über besonders prägende Rollen und teilt seine Gedanken zur Zukunft der Synchronbranche. Für Tennstedt bleibt Hanks ein Ausnahmetalent, da er sich für jede Rolle neu erfindet, ohne dabei auf wiederkehrende Schauspiel-Tricks zurückzugreifen.

Sieh dir hier den Trailer mit der markanten Stimme von Joachim Tennstedt an:

Wichtigste Fakten zur Serie: Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks

Kategorie Details
TV-Start 26. Mai 2026
Sender HISTORY Channel (und auf Abruf)
Umfang 20 Folgen
Sprecher (DE) Joachim Tennstedt
Originaltitel World War II with Tom Hanks

Hinweis: Den Streamingdienst The HISTORY Channel könnt ihr bei Amazon Prime Video, Apple TV sowie als YouTube Primetime Channel finden.

Tom Hanks erzählt in einer neuen Doku-Serie des HISTORY Channels die Geschichte des Zweiten Weltkriegs (Copyright: 2025, A&E Television Networks, LLC / Art Streiber).

Interview mit Joachim Tennstedt: „Tom Hanks hat keine Masche“

Die deutsche Stimme von Tom Hanks: Joachim Tennstedt über seine Arbeit an der Doku-Serie „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“, prägende Rollen und die Zukunft der Synchronbranche:

Herr Tennstedt, Sie haben Hollywood-Star Tom Hanks von 1983 bis 1988 synchronisiert und diese Funktion nach einer Pause seit den 2000er-Jahren wieder übernommen. Erinnern Sie sich an Ihre erste Synchronisation von Tom Hanks – und hätten Sie damals gedacht, dass Sie ihn über Jahrzehnte sprechen würden?

Nein, das weiß man in diesem Moment nicht. Das geht mir genauso mit „Star Wars“ und dem Droiden C-3PO, den ich da stimmlich gebe. Da gab es kein Casting. Wir orientierten uns einfach am Originalsprecher Anthony Daniels, der den humanoiden Roboter in George Lucas’ „Krieg der Sterne“ aus dem Jahr 1977 so trefflich seine Stimme lieh. Man weiß auch nicht, dass man etwas Besonderes macht, das einen ein Leben lang begleitet. So geht es mir auch mit Jeff Bridges in „The Big Lebowski“: Ich habe gar nicht mitbekommen, dass der Film Kult geworden ist. „Big“, in dem ich Tom Hanks synchronisierte, habe ich mir vor ein paar Jahren noch einmal angesehen – was ich selten mache – und fand ihn sehr unterhaltsam. Demnächst spreche ich wieder John Malkovich. Gefühlt liegt ein Jahrhundert zwischen „Gefährliche Liebschaften“ und dem neuen Film. Ich bin mit ihm gemeinsam älter geworden. Diese Schockmomente vor dem Spiegel kennt man ja. Wenn man dann Malkovich ohne Haare sieht, tröstet das ein wenig. Ich bin sehr froh, so unterschiedliche Schauspieler sprechen zu dürfen. Und ich habe oft das Glück, mit Regisseuren zu arbeiten, die meine Arbeit schätzen – genauso wie die der Originalschauspieler. Ich nehme sie alle sehr ernst.

Was ist schauspielerisch für Sie so besonders an Tom Hanks?

Er ist einfach ein Charakterschauspieler. Er ist nie gewöhnlich. Mich überzeugt seine darstellerische Kraft, die ihm nach all den Jahrzehnten erhalten geblieben ist. Er geht einfach immer weiter.

Was denken Sie: Warum hat man Sie für Tom Hanks ausgewählt?

Ich kann es nur annehmen. Bei „Big“ gab es vielleicht die Besetzung, weil man dachte, das könnte sehr gut passen, da der Tennstedt doch diese jugendliche, fast kindliche Stimme hat. Was ich aber tatsächlich weiß: Nach der langen Pause in den 2000er-Jahren wussten Synchronregisseur Axel Malzacher und der deutsche Verleih 2007 bei „Der Krieg des Charlie Wilson“, nachdem mein inzwischen leider verstorbener Kollege Arne Elsholtz wegen Erkrankung ausgefallen war, dass ich Tom Hanks schon früher in den deutschen Versionen gesprochen hatte. Ich bin ein Überzeugungsarbeiter. Da musste ich nicht lange überlegen, ob ich ihn weiterspreche. Ich fühle mich bei Tom Hanks ganz wohl und bin froh, dass ich ihn wiederbekommen habe. Er ist unglaublich vielseitig. Ich kenne nicht alle Biografien der Schauspieler, die ich synchronisiere, auswendig, doch eines liegt auf der Hand: Hanks und auch Malkovich sind bei ihren Rollen immer unglaublich vorbereitet und wissen, was sie tun.

Welche Rollen haben Sie am liebsten synchronisiert?

An einige Rollen habe ich starke Erinnerungen – positive wie negative. Bleiben wir bei den positiven: „The Big Lebowski“, „Rain Man“, „Gefährliche Liebschaften“. Und dann gibt es diese US-Serie „Shameless“, in der ich von 2011 bis 2021 in 134 Folgen William H. Macy synchronisiert habe. Das war für mich eine Altersüberraschung, weil sie so anarchisch ist. Ich habe Macy regelrecht lieb gewonnen. Der ist so authentisch, ohne dass er auf große Schauspielkunst macht. Manchmal geht es unter die Gürtellinie. Da war ich überrascht, dass so etwas im Fernsehen läuft.

Was machte die Arbeit an „Rain Man“ so besonders?

Zur Vorbereitung habe ich mit einem Kollegen gesprochen, dessen Sohn Autist war. Das hat mir geholfen zu verstehen, wie anders Wahrnehmung und Reaktion funktionieren. Beim Sprechen von Dustin Hoffman habe ich deshalb oft bewusst in die Ferne geguckt, auch wenn ich mit Menschen im Studio vor dem Mikrofon sprach. Das war eine harte Probe für mich. Auch bei Tom Hanks in „Cloud Atlas“ wunderte ich mich zunächst, warum er eine so kleine Rolle spielt, bis ich erfuhr, dass es durch die Zeitsprünge mehrere waren. Das Tolle bei der Synchronisation ist: Ich habe nicht ausgelernt. Ich fange jedes Mal noch mal von vorne an.

Macht es einen Unterschied, wenn Sie Tom Hanks in einer Doku-Serie synchronisieren?

Auf jeden Fall. Ich synchronisiere ihn ja schon seit mehr als 40 Jahren, aber es ist immer wieder etwas Neues. Er ist in den letzten Jahren schon mal mit zwei, drei Takes in anderen Dokus aufgetaucht. Doch dies ist nun eine andere Dimension bei „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“. Es gibt eine ganz tolle Synchronführung hier in dem Haus (TV+Synchron in Berlin), wo ich mich gut reinfallen lassen kann. Und wenn es mal nicht gleich klappt, erhält man einen gescheiten Hinweis, wie man es besser machen kann.

Sie sind als Nachkriegskind 1950 geboren. Den Zweiten Weltkrieg haben Sie nicht mehr selbst erlebt, aber Ihre Eltern. Haben Sie viel darüber gesprochen?

Meine Eltern haben sehr viel mit mir geredet, aber gar nicht so sehr über den Zweiten Weltkrieg. Ich selbst habe mir erst relativ spät Gedanken dazu gemacht, als ich mit 16, 17 Jahren versuchte, ein Drehbuch über den ehemaligen Berliner Stadtteil Wedding zu schreiben und wie er sich durch und nach dem Krieg verändert hatte. Viel später durfte ich am Berliner Renaissance-Theater in „Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui“ den Gangster Givola, eine Anspielung auf Propagandaminister Joseph Goebbels, geben. Dazu habe ich natürlich zum Zweiten Weltkrieg recherchiert.

Hieran haben Sie nun bei der Arbeit an „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“ anknüpfen können.

Die Doku-Serie mit Tom Hanks hat mich sehr berührt. Sie passt – man muss sagen: leider – sehr gut in unsere heutige Zeit, in der wir global von Kriegen umgeben sind. Das lässt mich manchmal nicht schlafen. Ich bin ziemlich sensibel veranlagt und muss bei der Synchronisation zu „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“ aufpassen, mich nicht zu sehr in die Dramatik und Gefühlswelt fallen zu lassen. Um sachlich zu bleiben, aber eben nicht kalt.

Sie sprachen die Vielseitigkeit von Tom Hanks an. Gibt es etwas, bei dem Sie sagen: Das ist stimmlich oder von der Sprechweise typisch Tom Hanks?

Nein, Tom Hanks hat keine Masche drauf. Bei John Malkovich weiß ich, er hat immer gut geatmet, bevor er einen Satz sagt. Das Transportieren von Gewohnheiten mag ich nicht. Schauspielerei hat doch viel damit zu tun, sich neu einzustellen. Ein Kollege von mir hat zum Beispiel häufig ein „gut“ ans Ende eines Satzes gehängt, zum Beispiel: „Jetzt haben wir die Arbeit gemacht, gut?“ Das macht es kleiner für mich.

Sie hatten bereits in Theater-, Fernseh- und Hörspiel-Produktionen mitgewirkt, sind dann aber 1972 in die Synchron-Sparte reingerutscht und werden nun in der Öffentlichkeit vorderrangig damit identifiziert. Wie sind Sie zur Synchronisation gekommen?

„Vorderrangig“ ist völlig richtig formuliert. Das Synchronisieren ist aus einer Hassliebe entstanden. Ich hatte Angst, mich selbst zu synchronisieren, als ich mich Anfang der 1970er-Jahre wegen Flugzeuglärms bei einem waschechten Softporno noch mal im Studio nachintonieren sollte. Der Schauspieler, der mit mir in der Synchronkabine war, hat mehrfach gestöhnt, weil ich es so schlecht gemacht hatte. Ich hätte nie im Leben gedacht, dass ich noch mal ein Synchronstudio betreten würde. Doch es sollte ganz anders kommen: Regisseur Michael Miller ging wegen Synchronlegende Michael Chevalier ins Theater, suchte aber noch andere Sprecher. Da hieß es von Seiten des Hauses aus: „Frag mal Tennstedt!“ Michael Miller sprach mich also an. Ich entgegnete entsetzt: „Nein, ich kann das nicht! Das ist nicht mein Gebiet.“ Er insistierte aber, so dass ich mich breitschlagen ließ: „Ich komme kurz vorbei, aber sag’ mir schonungslos, wenn es dir nicht gefällt.“ Es handelte sich um die Synchronaufnahmen zu Wes Cravens „Das letzte Haus links“, der als eine Art Kettensägenmassaker ebenfalls zum Kultfilm avancierte. Und Michael Miller gefiel meine Art zu synchronisieren, hier lieh ich dem jungen Marc Sheffler meine Stimme. Miller habe ich den ganzen Quatsch mit dem Synchronisieren zu verdanken. Er besetzte mich auf alles, was zwei Beine hat. Ich wurde dann „weitergereicht“, wie das damals üblich war, musste also keine Castings machen. So lernte ich auch Ottokar Runze kennen, der mich als deutsche Synchronstimme von John Malkovich besetzte.

Mit Synchronsprecher und -regisseur Torsten Sense haben Sie ab 1985 auch zehn kultige „Kasperle“-Hörspiele beim Label Kiosk aufgenommen. Sie waren in der Titelrolle zu hören. Er war ihr Freund Seppel. Welche Erinnerungen haben Sie an den Kinderklassiker?

Eine unglaublich intensive Erinnerung sogar, obwohl es lange her ist. Wir waren damals noch relativ jung. Man konnte noch über Sachen lachen, über die heute keiner mehr lachen würde. Und da hatten wir eine wirklich witzige Situation im Tonstudio. Ulli Herzog führte Regie. Wir mussten damals sogar getrennt aufnehmen, weil wir uns ständig kaputtgelacht haben – ausgerechnet über das Wort „Spritzenhaus“, das wir unglaublich ulkig fanden. Diese Art von Lachanfällen kennt man sonst nur vom Theater. Und so führte uns das „Spritzenhaus“ ins Schlamassel. Unzählige Male mussten wir Takes mit diesem Wort aufnehmen.

Ist das Synchronisieren komfortabel für Sie oder ein einsames Geschäft, da Sie mittlerweile häufig allein in der Kabine aufgenommen werden?

Mich füllt die Synchronisation zu 100 Prozent aus. Ich spielte früher noch viel Theater. Doch irgendwann war das bei zwei Söhnen für mich familienfeindlich. Diese akustischen Möglichkeiten, die ich als Synchronsprecher oder „Synchronschausprecher“ habe, hätte ich nie mit meiner Figürlichkeit gehabt. Ich bin ja recht klein geraten und hätte nie den Helden spielen können. Ich habe Glück gehabt, beim Synchron zu landen. Da besetzt man nicht nach Zentimetern und dem Alter! Wenn man gut besetzt, besetzt man nach Mentalität. Danke an all diejenigen, die mich „weitergereicht“ haben, so dass ich jetzt hier sitze und mich mit Ihnen unterhalten darf.

Wie sehen Sie die Entwicklung der Synchronisation?

Ich mag das Gewerbe sehr, vor allem die Herangehensweise an die Synchronisation. Da steckt oftmals viel Akribie dahinter, die das Original optimal bedienen kann. KI ist schon erschreckend. Irgendwann wird sie uns Sprecher sicher komplett ersetzen. Doch vielleicht haben wir noch eine Chance, wenn wir weiter an diesen wichtigen Filmen dranbleiben. Wenn ich daran zurückdenke, wieviel Liebe zum Detail in der Synchronfassung von „Cloud Atlas“ steckte! Da wurde bei der Berliner Synchron AG in der Mühlenstraße noch geangelt! Das kann KI als Konkurrenz nicht. Und diese Sorgfalt nehmen Sie als Hörer wahr. Brüche in den Stimmen und Untertöne können nur durch Menschen entstehen.

Interview: Marc Hairapetian

Joachim Tennstedt, die deutsche Stimme von Tom Hanks, im Synchronstudio von TV+Synchron in Berlin bei den Aufnahmen zur HISTORY-Channel-Doku-Serie „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“ (Copyright: Sebastian Reuter/The HISTORY Channel)

FAQ: Häufige Fragen zur Doku-Serie

Wann startet „Der Zweite Weltkrieg mit Tom Hanks“? Die Serie wird ab dem 26. Mai 2026 auf dem HISTORY Channel ausgestrahlt.

Wer ist der deutsche Sprecher von Tom Hanks? In dieser Produktion übernimmt, wie in den meisten seiner Filme, Joachim Tennstedt die deutsche Synchronisation.

Wie viele Folgen hat die Dokumentation? Es handelt sich um eine 20-teilige Doku-Serie.