Teenage Sex and Death at Camp Miasma Filmkritik: Der Horrorfilm, der keiner ist

Unser Urteil: Eine brillante Meta-Dekonstruktion des Slasher-Genres voller kluger Ideen

Filmszene CAMP MIASMa (c) MUBI
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Der Horrorfilm „Teenage Sex and Death at Camp Miasma“ startet am 7. August im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film mit Gillian Anderson.

Autorin und Regisseurin Jane Schoenbrun hat mit TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA ihren dritten Film abgeliefert. Wie ihre Hauptfigur Kris hat sie einen Independent-Film gemacht, durch den Hollywood auf sie aufmerksam wurde. Es ist nicht überliefert, ob man Schoenbrun die Inszenierung eines Sequels oder Reboots einer Legacy-Reihe wie HALLOWEEN oder FREITAG, DER 13. angeboten hat, aber in ihrem Film macht sie sich Gedanken darüber, wie ein solches aussehen könnte.

Filmszene CAMP MIASMa (c) MUBI

‚Teenage Sex and Death at Camp Miasma‘: Zur Handlung – Ein verstaubtes Erbe wird queer

Kris ist eine Independent-Filmerin, die ausgewählt wurde, die seit 1980 laufende, aber sich im Tiefschlaf befindliche Slasher-Filmreihe um das Camp Miasma wiederzubeleben. Eine besondere Herausforderung, weil der Killer Little Death hochgradig transphobe Vorurteile bedient, was die queere Kris angehen und ins Gegenteil verkehren will. Sie trifft sich mit Billy Presley, die einst im Originalfilm das Final Girl war und sich danach von der Schauspielerei zurückzog. Diese lebt nun im Camp Tivoli, das einst für das Camp Miasma doubelte. Sie möchte Kris erstmal kennen lernen, bevor sie eine Entscheidung trifft.

Kris wiederum findet in Billy die Inspiration, die sie brauchte, um mit der Arbeit an ihrem Miasma-Film zu beginnen. Realität und Fiktion gehen dabei Hand in Hand.

CAMP MIASMa (c) MUBI

‚Teenage Sex and Death at Camp Miasma‘: Eine Kritik – Clevere Slasher-Analyse statt billiger Jumpscares

Die ersten Minuten zeigen eine Szene aus CAMP MIASMA – inklusive drastischem Splatter. Während der Stabsangaben bekommt man dann Videokassetten des Originalfilms und der vielen Fortsetzungen, aber auch Artikel über die Reihe und verschiedenes Merchandise zu sehen. Die große Inspiration für Jane Schoenbrun war FREITAG, DER 13., selbst die Schriftart etwa bei der DVD zum sechsten Teil ist direkt davon übernommen.

Das Faszinierende an TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA ist aber, dass er einerseits eine Metaebene einschlägt, andererseits genau das nicht ist. Am Ende kann man nicht mal sagen, ob man einen Horrorfilm gesehen hat, oder nicht nur einen Film darüber, wie ein Horrorfilm geplant werden könnte. Das Ende geht etwas aus dem Ruder, lässt sich aber auch mehrheitlich erklären, insbesondere, weil Kris einen Weg findet, CAMP MIASMA ganz neu zu denken. Ein Ansatz, der für den Film im Film ist, aber auch für TEENAGE SEX AND DEATH AT CAMP MIASMA funktioniert.

Schoenbrun kennt das Genre genau, auch Semi-Klassiker wie SLEEPAWAY CAMP mit dem transphob deutbaren Ende, das sie hier zu einer Art Schlüssel macht. Denn die kleine Kris hat den Film als Kind gesehen, sie wusste, dass sie queer ist, aber zugleich haben der Film und seine Sequels auch ihr Eigen- und Frauenbild geprägt. Kris ist fasziniert von dem Blick, den das Final Girl in einer Schlüsselszene des Slasher-Films hat. Sie versteht ihn erst am Ende wirklich, als Billy ihn ihr erklärt, und dann soll er für sie fühlbar werden. Sie will nicht nur einen Film machen, sie will ihn erleben, spüren, wie es ist, wenn Little Death sie verfolgt, inklusive aller Konsequenz, was in einer merkwürdig bizarren Szene mündet, in der sie sich fast all ihrer Kleider entledigt, weil die Frauenfiguren, die von Slasher-Killern gejagt sind, meist halbnackt sind.

Schoenbrun spielt mit der inhärent vorhandenen Misogynie des Genres, stellt sie aber auch auf den Kopf, indem sie eine Protagonistin hat, die genau das erleben will. Sie will nicht getötet werden, aber sie will den Thrill fühlen, sie will ausgeliefert und das Opfer sein, nur um dann zu triumphieren, und sei es nur im besten Orgasmus, den sie je gehabt hat. Das ist eine Deutung des Genres, die sich nur eine Frau erlauben kann.

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Fazit: Ein erstaunliches Fest für Cineasten
Ein erstaunlicher Film, der sogar über eine große Passage ein Komprimat von CAMP MIASMA zeigt, das ganz und gar dem Stil der frühen Achtzigerjahre verhaftet ist. Großartig gespielt, sowohl von Hannah Einbinder als auch Gillian Anderson, mit Humor, ungewöhnlichen Ideen und einer Erzählweise, die sich auch damit befasst, wie der Horrorfilm sich der queeren Thematik angenommen hat. Ein brillanter Film, aber nicht wirklich ein Horrorfilm, höchstens auf einer oberflächlichen Ebene.
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