‚Gentle Monster‘ Filmkritik: Therapiestunde der Regisseurin

Unser Urteil: Ein wichtiges, sensibles Thema wird in einem zähen und unschlüssigen Drama völlig verschenkt

Gentle Monster © Film AG / Frédéric Batier
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Das Drama „Gentle Monster“ startet am 17. September im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film mit Lea Seydoux.

Als rauskam, dass der Star ihres Films CORSAGE wegen des Besitzes von Kinderpornographie angeklagt wird, muss das Autorin und Regisseurin Marie Kreutzer, die sich gar Chancen ausrechnete, mit ihrer Sissi-Verfilmung am Oscar-Wettrennen teilzunehmen, wohl sehr getroffen haben. Denn GENTLE MONSTER wirkt wie eine Therapiestunde.

Gentle Monster © Film AG / Frédéric Batier

‚Gentle Monster‘: Zur Handlung – Der Albtraum im eigenen Haus

Die Polizei steht vor der Tür und nimmt bei einer Durchsuchung den Computer und alle Datenträger von Phillip mit. Lucy versteht gar nicht, was ihrem Mann vorgeworfen wird, dann wird es aber klar: Der Besitz und der Vertrieb von Kinderpornographie. Sie bricht erstmal den Kontakt zu ihrem Mann ab, da sie nicht weiß, wie sie ihm begegnen soll. Darüber hinaus steht auch die Frage im Raum, ob er dem gemeinsamen Sohn Johnny etwas angetan haben könnte.

Derweil ermittelt eine Polizistin in dem Fall, hat aber auch private Probleme.

‚Gentle Monster‘: Eine Kritik – Distanzierte Figuren und eine überflüssige Nebenhandlung

Lucy ist Pianistin, als ihre Mutter ihr sagt, dass sie mit jemandem reden muss, erklärt sie nur, dass dafür das Klavier da ist. Für Marie Kreutzer ist es wohl das Medium Film, das diesen Job übernimmt, allerdings fragt man sich, wieso eine zweistündige Therapiestunde der Autorin und Regisseurin zur Geduldsprobe für den Film werden muss. Kreutzer hat eine im Grunde interessante Geschichte und ein starkes Ensemble, aber sie nutzt es nicht. Die Figuren sind alle ungreifbar, wenn nicht gar unsympathisch, oftmals auf jeden Fall unverständlich. Denn wie Lucy agiert, wirft vor allem Rätsel auf.

Das ist das eigentliche Problem: Man glaubt den Figuren nicht, wie sie agieren, bis es so etwas wie ein klärendes Gespräch zwischen Mann und Frau gibt, vergeht viel Zeit, und nach dieser langen Zeit, kommt erstmal ein langer, fast überflüssiger Rückblick.

Apropos überflüssig: Die gesamte Handlungsebene mit der von Jella Haase gespielten Polizistin, die privat ihre Probleme damit hat, dass ihr an Demenz leidender Vater die Krankenschwester begrabscht, räsoniert nicht mit der Haupthandlung. Man könnte diese Szenen samt und sonders entfernen, ohne dass der Film etwas verlieren würde. Auch dann hätte er narrativ noch reichlich Probleme, er würde dann aber wenigstens nicht mehr fast zwei Stunden Laufzeit haben.

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Häufig gestellte Fragen zu „Gentle Monster“

  • Basiert ‚Gentle Monster‘ auf einer wahren Begebenheit? Der Film ist keine direkte Dokumentation, ist aber unübersehbar von den realen Ereignissen rund um den Missbrauchsskandal des Hauptdarstellers aus Marie Kreutzers vorherigem Film Corsage inspiriert und dient der Regisseurin als kreative Bewältigung dieses Schocks.

  • Welche Rolle übernimmt Jella Haase im Film? Jella Haase spielt eine ermittelnde Polizistin. Ihre Figur leidet unter einer privaten Nebenhandlung rund um ihren demenzkranken Vater, die jedoch laut Kritik nicht mit der Kernhandlung harmoniert und den Film unnötig in die Länge zieht.

  • Ist der Film trotz des ernsten Themas für ein breites Publikum geeignet? Aufgrund der zähen Inszenierung, der schwer zugänglichen Charaktere und der psychologisch extrem belastenden Thematik rund um den Besitz von Kinderpornographie ist der Film schwere Kost und eher für ein diskussionsfreudiges Arthaus-Publikum geeignet.

  • Wie schlägt sich Hauptdarstellerin Lea Seydoux? Lea Seydoux agiert im Rahmen des Drehbuchs ambitioniert, leidet aber darunter, dass die Verhaltensweisen ihrer Figur Lucy für die Zuschauer oft unlogisch und unnahbar bleiben, wodurch das erstklassige Ensemble letztlich verheizt wird.

Fazit: Erstklassige Besetzung im falschen Film verheizt
Ein gutes Thema, das verschenkt wurde, inklusive eines erstklassigen Ensembles, das hier auch verheizt wird.
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