Die Thriller-Serie „Man on Fire“ startet am 30. April bei Netflix. Hier ist unsere Kritik zur Serie.
A.J. Quinnells Roman aus dem Jahr 1980 wurde bereits mehrfach verfilmt, zuerst 1987 mit Scott Glenn als Creasy, dann im Jahr 2004 mit Denzel Washington in der Hauptrolle. 22 Jahre später wurde aus dem Stoff eine Serie, Schöpfer Kyle Killen nimmt sich aber einige Freiheiten, die der Story nicht unbedingt guttun. Es braucht auch einiges an Füllmaterial für sieben Folgen.

‚Man on Fire‘: Zur Handlung – Rettungsmission in Rio
CIA-Agent Creasy verliert bei einem Einsatz in Mexiko sein ganzes Team. Danach leidet er unter posttraumatischer Belastungsstörung, ist jahrelang aus dem aktiven Dienst raus und wird nach einem Selbstmordversuch von seinem Kumpel Rayburn nach Rio de Janeiro gebracht. Er soll dort für dessen Sicherheitsfirma aktiv werden. Doch die Ereignisse überschlagen sich in Brasilien. Das Haus, in dem die Rayburns leben, wird von einer Terrororganisation gesprengt. Alle sterben, mit Ausnahme von Rayburns Teenager-Tochter Poe, um die sich Creasy nun kümmert.
Er setzt alles daran, Poe aus dem Land zu bringen, weil er weiß, dass sie hier nicht sicher ist. Weitere Anschläge auf ihr Leben zeigen das schnell …

‚Man on Fire‘: Eine Kritik – Weniger Rache, mehr Rettung
Die Grundsituation ist ähnlich, aber auch nicht gleich. Im Washington-Film ist es ein Rachefeldzug, den Creasy antritt, weil sein Schützling, ein junges Mädchen, ermordet wurde. Hier will er zwar seinen Kumpel Rayburn retten, in erster Linie ist es aber eine Rettungsmission, auf der er ist. Das verändert die Motivation der Figur total, es sorgt auch dafür, dass sie weniger isoliert ist. Der Man on Fire des 2004er-Films ist ein Mann, der nichts mehr zu verlieren hat, dem nur die Rache geblieben ist. Der Man on Fire der Fernsehserie hat ein edleres Ziel. Und: Er ist nicht allein: Er erhält Hilfe durch eine von Alice Braga gespielte Fahrerin, aber auch von deren weitreichender, in Gangs organisierter Verwandtschaft. Niemand ist eine Insel, der John Creasy des Films war es aber, der der Serie ist es nicht.
Poe soll getötet werden, weil sie etwas gesehen hat. Aber auch das ist ein narratives Problem. Im Grunde hätte man sie nur ausreisen lassen müssen. Es wäre nie zu einer weiteren Geschichte gekommen. Ein loses Ende lose sein zu lassen, hätte hier Vorteile für die Täter gebracht. Überhaupt: Was sie gesehen hat – ein Motorradfahrer, der sein verspiegeltes Visier hebt, um sie anzusehen – ist eigentlich hanebüchen. Es gab keinerlei Grund, warum der Mann, wenn auch nur kurz, sein Gesicht hätte offenbaren müssen.
Die Auslöser für die Geschichte sind halbgar, daran lässt sich nichts ändern. Ein bisschen Leerlauf ist in der Mitte der Serie auch zu bemerken. Aber: Sie funktioniert gut, und das nicht nur, weil die Action überzeugend ist. Auch Yahya Abdul-Mateen II in der Hauptrolle ist überzeugend, weil sein Creasy so wie der der Vorlage ein Mann ist, der bereit ist, sehr weit zu gehen, um zu bekommen, was er will.
Das Ende suggeriert dann die Möglichkeit einer Fortsetzung – mit einer ganz neuen Geschichte. Durchaus sinnvoll, hat A.J. Quinnell doch fünf Romane mit John Creasy geschrieben. Ob eine zweite Staffel darauf Bezüge nehmen würde, ist natürlich unklar.
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