Wild Horse Nine Filmkritik: Die Osterinseln sehen und sterben

Unser Urteil: Geistiger Nachfolger von 'Brügge sehen…': Martin McDonaghs 'Wild Horse Nine' brilliert mit Sam Rockwell, John Malkovich, bissigem Humor und politischer Tragik vor der Kulisse der Osterinsel (4/5 Sterne).

Wild Horse Nine Film 2026 (c) Searchlight Pictures
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Die Dramödie „Wild Horse Nine“ startet am 12. November im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film mit Sam Rockwell.

Zwei Männer, die beruflich töten, reisen an einen Ort, dessen Schönheit kaum zu ihrem Auftrag passt. Das kommt einem bekannt vor. Martin McDonagh greift in WILD HORSE NINE eine Konstellation auf, die schon BRÜGGE SEHEN UND STERBEN getragen hat. Aus Auftragskillern werden CIA-Agenten, aus Belgien wird die Osterinsel. Die Verwandtschaft ist offensichtlich, doch McDonagh gewinnt dem vertrauten Stoff genug ab, um daraus einen ebenso unterhaltsamen wie bitteren Film zu machen.

Wild Horse Nine: Zur Handlung – Im Schatten des Putsches

Sommer 1973: Lee (Sam Rockwell) und Chris (John Malkovich) arbeiten in Santiago de Chile daran, die Regierung Salvador Allendes zu destabilisieren. Allerdings ist Chris für seine Vorgesetzten zunehmend eine Belastung. Schwer krank und vergesslich geworden, plaudert er allzu bereitwillig über Dinge, die besser geheim bleiben sollten. Gemeinsam mit Lee reist er auf die Osterinsel. Die berühmten Steinköpfe wollte er immer sehen. Für einen Abschied vom Leben bietet die Abgeschiedenheit zudem ideale Voraussetzungen.

Wild Horse Nine Film 2026 (c) Searchlight Pictures

Wild Horse Nine: Eine Kritik – Geniale Dialoge und schmerzhafte Wahrheiten

Diesmal soll der Jüngere den Älteren beseitigen. McDonagh kehrt damit die Rollen seines früheren Films um, ohne dessen Grundidee wesentlich zu verändern. Von einem Autor seiner Klasse hätte man sich zunächst mehr Eigenständigkeit gewünscht. Dieser Vorbehalt verliert jedoch an Gewicht, sobald Rockwell und Malkovich miteinander reden. McDonagh schreibt Dialoge, deren Boshaftigkeit ebenso begeistert wie ihre Präzision. Hinter absurden Bemerkungen und scheinbar beiläufigen Wortwechseln werden Verletzungen, Ängste und jahrzehntelange moralische Verkommenheit sichtbar. Rockwell, der zum dritten Mal mit dem Regisseur arbeitet, und Malkovich kosten das aus. Ihr Zusammenspiel ist schlicht großartig.

Dabei lässt die landschaftliche Pracht nie vergessen, vor welchem historischen Hintergrund diese Reise stattfindet. Der von den USA unterstützte Militärputsch in Chile am 11. September 1973 wirft seine Schatten voraus. Besonders eindringlich gerät eine Begegnung zwischen Chris und einer chilenischen Studentin. Er schildert ihr, was sie und ihre Freunde erwartet: die Verschleppung ins Stadion, Folter und Tod. Ausgerechnet dieser Mann, dessen Berufsleben auf Täuschung und Gewalt gründet, spricht hier unverblümt die Wahrheit. Malkovich macht daraus einen Moment, dessen Grauen keinerlei zusätzliche Zuspitzung braucht.

Auch dramaturgisch sitzt vieles genau dort, wo es hingehört. Ein Gewehr, das zunächst vor allem als Handlungsmotor erscheint, bekommt später ebenso sein Gewicht wie die Warnung, sich niemals in ein Auto zerren zu lassen. McDonagh setzt solche Details gezielt und führt sie wirkungsvoll zusammen.

Tipp: Weitere Informationen und Hintergründe zum Film findest du hier

Fazit: Bitterschwarzes, meisterhaftes Schauspieler-Kino
WILD HORSE NINE lebt weniger von einer überraschenden Grundgeschichte als von ihrer Ausgestaltung. Der Humor ist bissig, die Figuren sind widersprüchlich, und die Dialoge wechseln mühelos zwischen Komik und Bedrohung. Vor allem aber gibt der Film zwei hervorragenden Schauspielern den Raum, ihr ganzes Können auszuspielen.
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