Das Sci-Fi-Drama „Klara und die Sonne“ startet am 29. Oktober im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film mit Jenna Ortega.
Taika Waititi bezeichnete „Klara und die Sonne“ als seinen dramatischsten Film. Ein bisschen Humor hat er aber dennoch. Er ergibt sich aus der Situation, weil Jenna Ortega ein Robotermädchen spielt, das die Welt und die Menschen um sich herum erst kennen lernen muss. Als wir ihr im Film das erste Mal begegnen, spricht sie mit der Sonne. Weil sie ihre Energie von der Sonne erhält und glaubt, dass sie wie ein Überwesen über allem wacht. Ein Glaube, der ihr auch später bleibt, so wie vielleicht ein kleines Kind an den Weihnachtsmann glaubt.

Klara und die Sonne: Zur Handlung – Künstliche Empathie und menschliche Endlichkeit
Klara ist ein Roboter der B1-Serie, das heißt emotional, empathisch, aber auch veraltet. Im Grunde droht ihr die Verschrottung, aber dann sieht das Teenager-Mädchen Josie etwas in ihr. Etwas Ungewöhnliches, und das nicht nur, weil Klara gerne auf einem Bein steht. Ihre Mutter kauft Klara für Josie, aber das neue Leben ist für den Roboter ungewöhnlich. Sie war noch niemals draußen, sie glaubt, die Wohnstätte der Sonne gefunden zu haben, und sie erlebt, was es heißt, dass das Leben endlich ist. Denn Josie ist krank.
Klara und die Sonne: Eine Kritik – Geniale Unschuld und subtiles Worldbuilding
Die Science-Fiction war schon immer gut darin, einen Blick von außen auf den Menschen zu werfen. Hier geschieht dies durch die Augen eines Roboters, und das ist bezaubernd. Denn Jenna Ortega spielt Klara mit einer Unschuld und Reinheit, die absolut verzückend ist. Wie sie geht, wenn sie auf ein Weizenfeld stößt, wie sie versucht, Treppen zu steigen, was sie vorher nie getan hat, wenn sie ein Auto fährt oder auch, wenn sie auf eine Vogelscheuche trifft – das sind alles Momente, die von einer großen Menschlichkeit geprägt sind. Das gilt auch für den Film, der sehr unaufgeregt daherkommt, es aber schafft, eine Balance aus Tragik und Humor zu wahren. Es ist aber nicht der typische Humor, für den Ko-Autor und Regisseur Taika Waititi bekannt ist. Vielmehr ist er weit subtilerer Art.
Zugleich ist der Film gut im Worldbuilding, und das praktisch ganz nebenbei. Ein Satz hier, eine Erwähnung dort und vor dem geistigen Auge des Zuschauers formt sich eine Welt, die nicht die unsere ist, in der es kein Internet mehr gibt, aber dafür ein Dritter Weltkrieg stattgefunden hat. In der die Arm-Reich-Kluft sich erweitert hat, weil die Reichen ihre Kinder genetisch aufmotzen lassen. Das Ergebnis zeigt sich in einer Szene, als Josie auf ihre künftigen Schulkameraden trifft. Sie mögen allesamt Genies sein, aber jedwede Empathie ging verloren. Sie sind seelenlose, grausame, ichbezogene Hüllen – man kann nicht umhin, als hier an Gestalten wie Elon Musk zu denken.
Der Film schreckt auch nicht vor einem ungewöhnlichen Ende zurück. Einem, der in Frage stellt, ob alles, was wir gerade gesehen haben, so auch wirklich passiert ist. Aber manchmal ist die erzählte Geschichte, die Legende, besser als jede Wahrheit, und nirgendwo gilt das mehr als im Kino.

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