Das Drama „I Play Rocky“ startet am 26. November im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film.
Hollywood feiert sich gerne selbst, das Kino tut es auch – man denke nur an Richard Linklaters NOUVELLE VAGUE über die Herstellung des Klassikers AUSSER ATEM. Oder an die Serie THE OFFER, die minutiös die Probleme zeigt, die bei der Produktion von DER PATE stattfanden. In dasselbe Horn stößt nun I PLAY ROCKY, ein Film, der nicht als Biopic von Sylvester Stallone gedacht ist, sondern zeigt, wie er das Drehbuch schrieb und eisern standhaft blieb, als es darum geht, wer die Hauptrolle in ROCKY spielen sollte.

I Play Rocky: Zur Handlung – Der Kampf um die Traumrolle
Sylvester Stallone ist Schauspieler, bekommt aber kaum Rollen, weil er mal zu Italienisch aussieht, mal zu sehr wie ein Gauner oder Cop. Mit seiner Frau Sascha, die er in New York kennenlernte, zieht er nach Los Angeles. Zu dem Zeitpunkt hat er schon begonnen, selbst Drehbücher zu schreiben. Mit der Hand, wobei Sascha den Text dann in die Schreibmaschine hackt. Aber der Erfolg stellt sich nicht ein. Desillusioniert sieht er eines Abends den Kampf von Muhammad Ali gegen Chuck Wepner. Letzterem hätte niemand auch nur den Hauch einer Chance eingeräumt, aber er hielt 15 Runden gegen den Champ durch. Noch in derselben Nacht beginnt Stallone mit dem Schreiben von ROCKY. Knapp vier Tage später ist das Drehbuch fertig, das er den Produzenten Irwin Winkler und Robert Chartoff vorlegt. Die sind begeistert.
Sie haben auch schnell einen Deal parat. Aber der sieht vor, dass Stallone nicht die Hauptrolle spielt. Stallone wiederum ist nur bereit, das Skript zu verkaufen, wenn er selbst Rocky Balboa spielen kann …
I Play Rocky: Eine Kritik – Verschmelzung mit der Rolle und tiefer Respekt
Der Film ist in mehrerlei Hinsicht eindrucksvoll. Einerseits, weil man beeindruckt ist, wie standhaft Stallone blieb. Ihm wird von Mal zu Mal mehr Geld angeboten, um das Skript zu verkaufen, aber er lehnt immer wieder ab, und das in einer Situation, in der ein Kind unterwegs ist und die Familie droht, aus der Wohnung geworfen zu werden. Aber Stallone gibt nicht klein bei. Ist das nun das Glauben an sich selbst, das er mit ROCKY auch propagierte, oder Wahnsinn? Auf jeden Fall führte es zum Erfolg und so erlebt man in I PLAY ROCKY nicht nur mit, wie Stallone nicht wankt und darauf besteht, die Rolle selbst zu spielen, sondern auch, wie der Film mit einem Budget von weniger als einer Million Dollar umgesetzt wurde.
Natürlich werden dabei einige Szenen des Klassikers nachempfunden: Rocky beim Laufen, beim Schlagen auf das Fleisch, beim Date in der Eislaufbahn mit Adrian, beim Kampf mit Apollo Creed und – das ist das Highlight – bei der Szene, als Mickey Rocky anbietet, ihn zu trainieren, dieser aber erst ablehnt. Was dann folgt, ist ein ganz großer Moment – in ROCKY, aber auch in I PLAY ROCKY. Letzterer lebt auch und vor allem von Anthony Ippolito, der in THE OFFER Al Pacino spielte, aber seit 2022 nicht mehr vor einer Kamera stand. Er sieht Stallone nicht nur ähnlich, er hat ihn offenkundig studiert. Die Art, wie er redet, sich bewegt, wie die Mimik ist – es ist fast, als wäre ein junger Sylvester Stallone wiederauferstanden! Ippolito verschmilzt mit der Rolle und für den Zuschauer wird er zu Stallone. Aber auch die anderen Schauspieler sind extrem gut besetzt, nur Kiki Seto als Talia Shire ist nicht gänzlich überzeugend.
Bis in die Nebenrollen fein besetzt – Jay Duplass als Regisseur John G. Avildsen ist besonders zu erwähnen – bleibt der Film nahe an der Realität, inklusive der Verletzungen, die sich Stallone zuzog und die Härte, mit der er gegen sich selbst vorging, um ROCKY Wirklichkeit werden zu lassen. Dabei hat der Film auch einiges an Humor zu bieten, der zum Teil sehr trocken ist. Schön ist, als der von Stephen James gespielte Carl Weathers vorspricht, während Stallone den Reporter-Part spricht – aber nicht gut aus Weathers‘ Sicht. Als er darauf aufmerksam gemacht wird, dass Stallone der Star des Films ist, sagt er: „Vielleicht wird er ja noch besser.“ Das quittiert Stallone mit einem „Das hoffe ich auch“ – so hätte auch Rocky gesprochen. Auch das versteht der Film exzellent: Zu zeigen, dass Stallone mit Rocky Balboa ein Ebenbild seiner selbst erschaffen hat.
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