Die Komödie „Extrawurst“ startet am 15. Januar im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film.
Was als gut gemeinte Geste beginnt, entwickelt schnell eine ungeahnte Sprengkraft. Beim Treffen des örtlichen Tennisclubs schlägt Melanie vor, aus Rücksicht auf das einzige türkische Vereinsmitglied einen zweiten Grill anzuschaffen. So könne man sicherstellen, dass er Würstchen essen kann, die seinem Glauben entsprechen – ohne Kontakt zu Schweinefleisch. Dieser scheinbar harmlose Vorschlag bildet den Ausgangspunkt von EXTRAWURST, der Kinoadaption des gleichnamigen Erfolgsstücks von Dietmar Jacobs und Moritz Netenjakob, die ihr eigenes Theaterwerk selbst für die Leinwand bearbeitet haben. Entstanden ist eine Komödie, die vor allem von Tempo und pointierten Wortgefechten lebt.

‚Extrawurst‘: Zur Handlung – Ein zweiter Grill für den Weltfrieden?
Eigentlich will Vereinsvorsitzender Heribert die Sitzung bereits beenden, doch ein letzter Punkt steht noch an: Der alte Grill ist marode, ein neuer muss her – auch weil Grillkohle als gesundheitsschädlich gilt. Als Melanie in diesem Zusammenhang den Vorschlag mit dem zweiten Grill für Erol einbringt, kippt die Stimmung. Innerhalb kürzester Zeit geht es nicht mehr um Würstchen oder Hygiene, sondern um Religion, kulturelle Zugehörigkeit, diffuse Ängste und tiefsitzende Ressentiments. Vorurteile brechen auf, Haltungen verhärten sich, die Diskussion gerät außer Kontrolle.
‚Extrawurst‘: Eine Kritik – Ein verbales Match auf Augenhöhe
Was auf der Bühne vor allem vom reinen Wortgefecht lebt, verlagert der Film räumlich in die Tennishalle. Dort versuchen die Vereinsmitglieder, eine Lösung zu finden – vergeblich. Denn jedes Argument zieht ein neues nach sich, jede Spitze provoziert eine schärfere Erwiderung. Die Gespräche drehen sich im Kreis, die Fronten verhärten sich, und an Einigung ist nicht zu denken. Erzählt wird das mit hohem Tempo und sichtbar großer Spielfreude. Besonders Heribert gibt den pedantischen Ordnungsmenschen, der sich selbst keineswegs als Problemfall wahrnimmt, aber unentwegt mit fragwürdigen Witzen provoziert und Diskussionen am liebsten mit einem autoritären Machtwort beenden würde.
Erol hingegen versucht zunächst, keinen Konflikt zu verursachen. Doch je länger er bevormundet, beargwöhnt und bedrängt wird, desto klarer wird für ihn, dass Nachgeben keine Lösung ist. Auch andere Figuren entlarven sich im Verlauf der Auseinandersetzung: vermeintlich liberale Freunde zeigen überraschend starre Denkmuster, gut gemeinte Solidarität kippt in Überheblichkeit, und manche Haltung rutscht gefährlich nah an offene Ausgrenzung. Das Ensemble funktioniert dabei als geschlossenes Gefüge – niemand drängt sich in den Vordergrund, alle reagieren präzise aufeinander, wie in einem gut gespielten Match.
Die große Herausforderung einer solchen Geschichte liegt darin, die Dynamik aufrechtzuerhalten. Sobald die Debatte ins Leere liefe, wäre auch der Film am Ende. Doch die Autoren verschärfen den Konflikt stetig, legen immer neue Zündschnüre, während Regisseur Marcus H. Rosenmüller das Ganze mit spürbarer Lust an Tempo und Eskalation inszeniert.
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