Digger Filmkritik: Die Gier nach dem Öl

Unser Urteil: Unfassbar, entfesselt und genial! Tom Cruise liefert in 'Digger' die Performance seines Lebens ab – die beißende Öl-Satire ist ein Meisterwerk für unsere Zeit (5/5 Sterne).

Digger Kinofilm Filmszene (c) 2026 Warner Bros.
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Die Satire „Digger“ startet am 1. Oktober im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film.

Es kommt selten vor, dass man einen Film – und mehr noch eine Performance – sieht, bei der man sicher ist: Wenn hier kein Oscar verliehen wird, dann stimmt etwas mit Hollywood nicht. Hier ist es die Darbietung von Tom Cruise in Fatsuit und Alters-Make-up, die atemberaubend ist. Es gibt einen eindrucksvollen Monolog, einen von vielen, vor Vertretern Europas, der etwa zehn Minuten läuft und zwar Schnitte hat, aber laut dem Regisseur in einem Take von Cruise gespielt wurde. Und das ist längst nicht das Einzige, was bei DIGGER imposant ist.

Digger Film 2026 (c) Warner Bros

Digger: Zur Handlung – Wenn ein Gletscher Richtung Europa schwimmt

Digger Rockwell ist reich, laut, vulgär, beherrscht und geldgeil. Auf Sicherheitsbedenken pfeift er. Die Rechnung wird keine fünf Minuten nach einem Gespräch mit jemandem von seinen Ölbohrungen in Grönland serviert, denn es gab eine Explosion und ein Gletscher ist abgebrochen. Der schwimmt Richtung Europa und wird mit einem Tsunami für Verheerungen sorgen, die 18 Billionen Dollar kosten werden. Das Geld ist wichtig, nicht die verlorenen Leben.

Was tun in einer solchen Lage, fragt sich Digger, und geht nach vorne, direkt in die Höhle des Löwen, weil er weiß: Letzten Endes will jeder, dass er weiterhin nach Öl bohrt. Was wäre die Zivilisation schon ohne Öl?

Digger: Eine Kritik – Ein Meisterwerk zwischen Birdman und Dr. Seltsam

Man könnte sagen, dass Alejandro G. Iñárritu, der das Drehbuch mit drei anderen schrieb, hier ein Werk abgeliefert hat, das wie das Produkt einer Liebelei aus seinem eigenen BIRDMAN und Stanley Kubricks DR. SELTSAM ODER WIE ICH LERNTE, DIE BOMBE ZU LIEBEN anmutet. Um die Bombe geht es nicht, der Elefant im Raum ist das Öl und die damit einhergehende Klimakrise. Die will im Grunde niemand wahrhaben. Weil Öl die Welt am Laufen hält, weil jeder gerne billigen Sprit hat, in der Welt herumfliegt und Energie in rauen Mengen haben will. Das weiß Digger, das wissen auch alle anderen, nur er ist der Einzige, der es zugibt.

Tom Cruise, der hier das erste Mal seit einem Jahrzehnt nicht in einer Actionrolle zu sehen ist, spielt sich die Seele aus dem Leib. Er schreit, er plustert sich auf, er springt herum, er ist das absolute Zentrum dieses Films und es ist eine Performance für die Geschichtsbücher. Weil Cruise zeigt, dass er schauspielerisch auch im höheren Alter noch wächst und sich herausfordert. Er wechselt sogar die Art, wie er redet, weil das Skript das verlangt. Denn DIGGER ist nicht eine geradlinige Erzählung, der Film mutet wie ein Theaterstück an, und das aus gutem Grund. Er ist auch eine mit Metaebenen arbeitende Betrachtung, wie Realität durch narrativ freie Fiktion gebeugt wird.

Es gibt skurrile Ideen wie die fast schon tote Katze, die Digger einfach nicht gehen lassen will, aber auch Momente harten Dramas, und solche, die vor Absurdität geradezu triefen. Das Ensemble um Cruise ist herausragend. Sandra Hüller hat eine kleine aber feine Rolle, Riz Ahmed als Wissenschaftler, der Digger verabscheut, liefert eine der besten Darstellungen seines Lebens ab, und John Goodman als Präsident ist so dermaßen am Schreien, dass man glauben könnte, der Schauspieler steht kurz vorm Herzinfarkt. Auch bei ihm gilt: eine famose Leistung.

Der auf 35mm gedrehte Film ist in jeder Beziehung eindrucksvoll, vom Setdesign über das Schauspiel bis hin zu dissonant-enervierenden Musik, die aber perfekt zur Story passt.

Tipp: Weitere Informationen, Hintergründe & Details zum Kinofilm „Digger“ hier

Fazit: Großes Schauspielkino für die Geschichtsbücher
Dies ist kein Film für die Massen, aber Freunde des Theaters und des großen Schauspiels werden ihre helle Freude an DIGGER haben. Aber auch jeder, der eine gute Satire zu schätzen weiß. Ob der Film in den USA gut ankommt, bleibt abzuwarten. Nicht wenige werden ihm wohl Nestbeschmutzung vorwerfen, er ist aber ein Film für unsere Zeit, über eine Realität, in der im Weißen Haus der Wahnsinn regiert.
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