Von dem amerikanischen Studio A24 erwartet man keine Filme, die für die ganze Familie funktionieren. A24 ist auf Cutting-Edge-Stoffe spezialisiert, und das in jedem Genre, aber der bereits Ende 2021 gedrehte DIE LEGENDE VON OCHI ist anders. Denn dies ist ein Familienfilm im besten Sinne. Er erinnert an die magischen Filme der Achtzigerjahre, und das nicht nur, weil Autor und Regisseur Isaiah Saxon weitestgehend auf CGI verzichtet und stattdessen mit animatronischen Puppen gearbeitet hat.
Die Legende von Ochi – Zur Handlung
Eine Insel im Schwarzen Meer. Hier leben die Menschen seit langer Zeit so, wie sie immer gelebt hatten. Es wirkt nicht so, als hätte die Moderne den Autos zum Trotz bereits Einzug gehalten. Denn nachts traut sich auch niemand raus. Nachts hört man den Schrei der Ochi, den Todesruf, wie viele sagen. Maxim geht mit seinen Kindersoldaten des Nachts auf die Jagd nach den Ochi.
Seine Tochter Yuri findet tags darauf ein verletztes Ochi-Baby. Sie hat aber nicht vor, es ihrem Vater auszuliefern, sondern beschließt, es zu seiner Familie zurückzubringen. Dabei begibt sie sich auf ein Abenteuer, in dessen Verlauf sie auch viel über sich selbst erfährt …

Die Legende von Ochi – Eine Kritik
Der in Rumänien (u.a. auch in Transsilvanien) gedrehte Film ist von immenser Schönheit. Die raue Pracht des Landes, aber auch die stimmungsvollen Bilder entführen den Zuschauer in eine magisch anmutende Welt. In eine, die weit abseits der Normalität liegt, und das nicht nur, weil der von Willem Dafoe gespielte Maxim in eigentümlicher Rüstung seine Kindersoldaten anführt, sondern auch, weil es ansonsten fast keine Erwachsenen gibt. Es ist eine Geschichte, wie sie aus den Achtzigerjahren sein könnte, mit einem Schuss E.T. – DER AUSSERIRDISCHE, mit ganz viel Flair damaliger Spielberg-Produktionen, mit einem Vibe, der an DIE UNENDLICHE GESCHICHTE oder auch DER DUNKLE KRISTALL erinnert, auch wenn die Story gänzlich anders ist. Kurz: Dieser Film ist märchenhaft.
Das ist er umso mehr, weil Saxton weitestgehend auf Computeranimationen verzichtet hat. Ganz konnte er das nicht, wenn die erwachsenen Ochi herumspringen, aber das Baby, das von Helena Zenglers Figur nach Hause gebracht wird, wurde von sieben Puppenspielern animiert. Klassisch ist auch, dass der Film keine Computergraphiken nutzt, sondern vielmehr mit dem arbeitet, was Hollywood schon früher zur Verfügung stand: Matte Paintings, die für die Hintergründe genutzt werden.
Die animatronischen Puppen verleihen dem Film eine deutlich stärkere Authentizität. Die Ochi, die mehr als nur Tiere sind, werden so sehr viel greifbarer. Sie waren es für die Schauspieler, vor allem aber soll auch das Publikum das Gefühl kriegen, hier etwas zu sehen, das so existieren könnte. Dabei geht es nicht nur um die Reise des Mädchens, das dabei auch zu sich selbst findet, sondern um die Botschaft. Denn die Menschen sind vom Hass getrieben, geboren aus der Angst vor dem, was sie nicht kennen. Die Ochi sind für sie Schreckensgestalten aus Schauermärchen, die Menschen in Stücke reißen. Aber der Film ist exzellent darin zu zeigen, dass solche Vorurteile überwunden werden können. Gerade auch, wenn sie eingefahren sind. Es braucht nur ein Erweckungserlebnis, wie es Willem Dafoes Figur hier auch hat.