‚Der Tiger‘ Filmkritik: Mehr als nur ein Kriegsfilm – Dennis Gansels intensives moralisches Lehrstück

Unser Urteil: Packendes Panzer-Drama mit klaustrophobischer Dichte und wuchtigem Finale

(c) Amazon MGM Studios
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Der Kriegsfilm „Der Tiger“ startete am 2. Dezember bei Prime Video. Hier ist unsere Kritik zum Film von Dennis Gansel.

Dennis Gansels Film DER TIGER funktioniert auf mehrerlei Ebenen. Er ist ein Kriegsfilm, untersucht aber auch, was es heißt, im Wahnsinn des Krieges überleben zu müssen, und das anhand einer Figur, deren Mantra ein damals urdeutsches war: Befehle befolgt man. Daraus macht Gansel, der auch das Drehbuch mitgeschrieben hat, ein intensives moralisches Lehrstück mit kurzen, aber prägnanten Kampfszenen.

DER TIGER Filmszene (c) 2025 Amazon MGM Studios

‚Der Tiger‘: Zur Handlung – Eine Mission hinter feindlichen Linien

Im Jahr 1943 wird die Besatzung eines Tiger-Panzers losgeschickt, um hinter den feindlichen Linien nach einem Mann zu suchen, der über Informationen verfügt, die auf keinen Fall in die Hände der Roten Armee fallen dürfen.

Es ist eine Mission von äußerster Dringlichkeit, aber auch eine, die weit mehr ist, als sie zu sein scheint.

‚Der Tiger‘: Eine Kritik – Klaustrophobie und moralische Abgründe

DER TIGER zeigt nicht nur den Panzerkampf in packenden Bildern, er lebt auch vom klaustrophobischen Feeling, das sich innerhalb des Panzers ergibt – nicht unähnlich einem anderen deutschen Kriegsfilmklassiker, Wolfgang Petersens DAS BOOT. Die Welt der Besatzung dieses Panzers schrumpft auf das Innere der Kanzel zusammen. Ein Ort, der scheinbar Sicherheit verspricht.

Gansel ist nicht so sehr daran interessiert, große Schlachten zu zeigen. Er setzt auf kurze, gewaltsame Begegnungen. Außerdem ist er zurückhaltend in der Art, wie er das Grauen präsentiert. Es passiert fast nebenbei – so in einer Schlüsselszene, als die Panzer-Besatzung auf einen Waffen-SS-Trupp trifft, der Menschen in eine Scheune einsperrt und diese dann anzündet. Gansel hält nicht drauf, er lässt das Grauen im Kopf entstehen, was umso wirkmächtiger ist.

Die Hauptfiguren sind gut entwickelt, vor allem aber konzentriert sich der Film auf den von David Schütter gespielten Leutnant, der die Mission anführt und für den Befehle alles sind. Weil sie ihn aus der Verantwortung entlassen. Es muss getan werden, was aufgetragen wurde, egal, was es ist. Damit hadert der Mann nicht, auch wenn er am Ende zu einer Art von Rechenschaft gezwungen wird. Überhaupt: das Ende.

Das funktioniert im Rahmen des Films gut, auch wenn das Schlussbild sehr abrupt kommt, weil es über den ganzen Film hinweg Hinweise darauf gibt. Mit ihnen ergibt sich eine Art Unsicherheit ob dessen, was man sieht, bis das Finale zum wuchtigen Schlag ausholt. Es ist nicht gänzlich originell, weder literarisch, noch filmisch, aber es funktioniert.

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Fazit: Ein intensiver Film über die Last der Verantwortung
DER TIGER ist ein intensiver Kriegsfilm, der tatsächlich mehr ist, als man auf den ersten Blick meinen könnte. Toll gespielt, brillant gefilmt, ein großer Film.
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