American Sweatshop Filmkritik: Der digitale Abgrund – Lili Reinhart im Trauma-Job

Unser Urteil: Wichtiges Thema, durchschnittliche Umsetzung – Ein Thriller, der nicht tief genug gräbt

American Sweatshop (c) Brainstorm Media/Elsani Film
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Der Thriller „American Sweatshop“ startet am 30. April im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film mit Lili Reinhart.

Der in Köln und Bonn gedrehte Film ist das Kinodebüt von Uta Briesewitz. Die Regisseurin hat bisher für namhafte Serien wie GAME OF THRONES oder STRANGER THINGS einzelne Episoden inszeniert. AMERICAN SWEATSHOP ist ihr erster Film, der ein brandaktuelles Thema aufgreift: Dass Menschen für soziale Medien Videos kontrollieren müssen, die gegen Regeln verstoßen.

American Sweatshop (c) Brainstorm Media/Elsani Film

American Sweatshop: Zur Handlung – Die Bilder, die niemals gehen

Daisy arbeitet bei Paladin, einer Firma, die für einen Social-Media-Kanal Videos daraufhin checkt, ob sie gewalttätig sind, in Richtung Porno gehen oder andere Tabus brechen. Es sind Videos, die von den Usern gemeldet wurden und über die nun ein Mensch entscheiden muss. Ein Job, der mitnimmt, mit Bildern, die man nicht vergisst.

Ein Video brennt sich in Daisys Gehirn ein. Sie ist sich sicher, dass es ein Verbrechen abbildet und versucht, es zu melden, findet aber kein Gehör. In ihr reift die Überlegung, ob sie den Täter vielleicht selbst ausfindig machen könnte.

American Sweatshop: Eine Kritik– Zwischen Sozialstudie und Standard-Thriller

Das Thema ist packend, der Titel des Films mehr als angemessen, befinden sich die Akteure doch in einer Arbeitssituation, die jenseits von Gut und Böse ist. „Wir werden für unser Leid bezahlt“, sagt Daisy einmal und hat damit Recht. Was ihre Kollegen und sie tagtäglich sehen, lässt sich kaum abschütteln. Das ist der eigentlich spannende Aspekt des Films, nicht die Suche nach jemanden, der ein solches Gewaltvideo gedreht hat. Es mag angehen, dass sich Daisy in diese Phantasie flüchtet, um damit zurechtzukommen, aber der Film scheint hier mehr in Richtung eines konventionellen Thrillers gehen zu wollen.

Interessanter ist doch, was das für ein Job ist und was er mit den Menschen macht, die ihn ausüben. Neun Minuten haben sie Erholungszeit, wenn ein Video zu viel wird, und einen Psychologen gibt es auch, aber letztlich sind sie mit den Schrecken dessen, was der Mensch produziert, allein gelassen. Dass das mit einer posttraumatischen Belastungsstörung einhergeht, ist nur zu gut verständlich, der Film geht dabei aber nicht ausreichend in die Tiefe. Er streift das Thema, er traut sich aber niemals, die Auswirkungen dieses Jobs in ihrer Gänze zu zeigen.

Immer wieder stellt sich das Gefühl ein, dass hier eine große, eine wichtige Geschichte vorhanden ist – und mit ihr ein großer Film –, aber beides materialisiert niemals. Dabei ist AMERICAN SWEATSHOP nicht schlecht, er ist eben nur auch nicht mehr als durchschnittlich.

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Ein interessanter Ansatz mit Ladehemmungen
Interessantes Thema, das in der Umsetzung allerdings etwas hängen gelassen wird.
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