‚Good Luck, Have Fun, Don’t Die‘ Filmkritik: Sam Rockwell rettet die Welt im Gore-Verbinski-Meisterwerk

Unser Urteil: Ein Sci-Fi-Geniestreich voller Ideen – Das mutigste Kinoerlebnis des Jahres

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (c) Constantin Film
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Der Sci-Fi-Film „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ startet am 12. März im Kino. Hier ist unsere Kritik zum Film mit Sam Rockwell.

Mit GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE meldet sich Gore Verbinski nach neun Jahren Leinwandabstinenz zurück. Sein letzter Film, A CURE FOR WELLNESS, blieb zwar hinter den Erwartungen an den Kinokassen zurück, überzeugte jedoch durch seine Eigenständigkeit – ein Qualitätsmerkmal, das auch das neue Werk auszeichnet. Statt vertraute Pfade zu beschreiten, setzt Verbinski erneut auf eine originäre Geschichte. Entwickelt wurde sie von Matthew Robinson, der bereits mit LOVE & MONSTERS sein Gespür für ungewöhnliche Erzählweisen bewies. Doch diesmal gehen Drehbuch und Regie noch einen Schritt weiter: Sie bedienen sich zwar bekannter Genre-Elemente, kombinieren diese jedoch mit einer kritischen Betrachtung sozialer Medien und einer verschachtelten Struktur.

Good Luck, Have Fun, Don’t Die (c) Constantin Film

‚Good Luck, Have Fun, Don’t Die‘: Zur Handlung – Versuch Nummer 117

Alles beginnt um 22.10 Uhr in einem Diner, als ein seltsam gekleideter Fremder eintritt und behauptet, dies sei bereits sein 117. Versuch. Er stamme aus einer zerstörten Zukunft und brauche eine ganz bestimmte Konstellation von Menschen – ausgerechnet unter den Gästen dieses Lokals –, um die drohende Apokalypse abzuwenden. Bisher seien alle Durchläufe gescheitert, weil nie die richtige Kombination zustande kam.

Doch diesmal scheint etwas anders zu sein. Allerdings bleibt eine Konstante bestehen: Nicht alle Beteiligten werden das Ende erleben.

‚Good Luck, Have Fun, Don’t Die‘: Eine Kritik – Echtzeit-Thriller trifft auf Gesellschaftssatire

Die Handlung entfaltet sich in Echtzeit, unterbrochen von vier Rückblenden. Drei davon beleuchten die Vorgeschichte einzelner Gruppenmitglieder, die vierte widmet sich dem Zeitreisenden selbst. Gerade diese Einschübe faszinieren, weil sie mit Versatzstücken aus Science-Fiction und Horror spielen und dennoch eigene Wege einschlagen. Sie wirken wie eigenständige Kurzepisoden, die an BLACK MIRROR erinnern, während die Rahmenhandlung Motive aus TERMINATOR oder MATRIX aufgreift, ohne sich je als bloße Referenz oder gar Kopie zu verstehen. Die Idee des Zeitreisenden, der die Vergangenheit korrigieren muss, ist vertraut – ebenso wie die Furcht vor einer außer Kontrolle geratenen KI. Doch Robinson verknüpft diese Motive mit unerwarteten Konzepten und verbindet trockenen, mitunter bitteren Humor mit hoher emotionaler Intensität.

Mit 134 Minuten Laufzeit nimmt sich das Werk viel Zeit – und nutzt sie vollständig aus. Die Fülle an Einfällen würde problemlos mehrere Filme tragen. Gerade diese Dichte sorgt dafür, dass man das Geschehen nach dem Abspann am liebsten sofort noch einmal durchdenken oder erneut ansehen möchte, insbesondere angesichts eines Finales, das rückwirkend vieles infrage stellt. Auf mehreren Ebenen zugleich angesiedelt, funktioniert der Film als temporeiche Sci-Fi-Action mit schrägem Humor ebenso wie als scharfzüngige Satire auf eine Gegenwart, in der das Smartphone zur quasi-religiösen Instanz geworden ist. Darüber hinaus kreist er um eine existenzielle Frage: Was ist Wirklichkeit? Und spielt es am Ende überhaupt eine Rolle, ob wir sie erkennen können?

Besonders reizvoll sind die zahlreichen Details, die zur Interpretation einladen. Manche scheinen klar bedeutungstragend, andere bleiben bewusst ambivalent. So taucht etwa immer wieder die Zahl 47 auf – für die Handlung ohne offensichtliche Relevanz, numerologisch jedoch durchaus aufgeladen.

Solche Feinheiten machen eine erneute Sichtung beinahe unvermeidlich, zumal nichts in diesem Film uneingeschränkt vertrauenswürdig erscheint. Was vordergründig erzählt wird, ist nur eine Ebene; darunter arbeitet eine zweite, komplexere Struktur. Getragen wird das alles von Sam Rockwell, der den rätselhaften Zeitreisenden mit intensiver, leicht exzentrischer Präsenz verkörpert. Zum Ensemble gehören außerdem Zazie Beetz, Michael Peña, Juno Temple und insbesondere Haley Lu Richardson als technikskeptische Prinzessin mit latentem Todeswunsch.

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Fazit: Ein Meisterwerk, das nachhallt
GOOD LUCK, HAVE FUN, DON’T DIE ist mutiges, eigenständiges Kino. Ein Werk voller Ideen, die sich stetig steigern und schließlich in einem Finale kulminieren, das sowohl befriedigt als auch Fragen offenlässt.
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